Weisheiten (an der Börse)

Im Lauf der Zeit haben Börsianer Erfahrungen an der Börse gemacht und diese teils humorvoll in Sprüche
und Weiheiten verpackt. Nachfolgend sollen hier einige Weisheiten, die durchaus lehrreich sein können,
aufgeführt und kurz erläutert werden. Natürlich sollte keine dieser Weisheiten unkritisch 1 zu 1
umgesetzt werden.


An Gewinnmitnahmen ist noch keiner gestorben!

Viele Anleger erhoffen sich durch den Kauf einer Aktie unermessliche Reichtümer. Es gibt einige Aktien,
die die Voraussetzungen haben, Anleger auf längere Zeit reich zu machen, aber diese Voraussetzungen
sind eher selten. Das Gros der Aktien bewegt sich mal aufwärts und mal abwärts. Es ist oftmals besser,
vorhandene Gewinne in einer beliebigen Aktie auch mal mitzunehmen, anstatt diese Gewinne wieder
aufs Spiel zu setzen und nach einer weiteren Haltedauer eventuell sogar in die Verlustzone zu rutschen.
Es sei denn, es handelt sich um eine der wenigen Aktien, die tatschlich dauerhaft eine herausragende
Entwicklung zeigt.


never catch a falling knife!

Greife niemals in ein fallendes Messer! Diese Börsenweisheit ist entstanden aus der Erfahrung, dass
scheinbar grundlos einbrechende Aktienkurse oftmals eben doch einen Grund haben. Würde der Anleger in ein
solch "fallendes Messer" hineingreifen und Aktien zu dann verbilligten Kursen kaufen, gibt es ähnlich wie
in dem Bild des fallenden Messers oftmals schwere Verletzungen (weitere Kurseinbrüche). Insbesondere
bei kleineren Aktiengesellschaften ist es ratsam, erst einmal eine Bodenbildung abzuwarten, vielleicht
sogar erste kleine Gewinne über eine bestimmte Zeitperiode, flankiert von wieder besser werdenden
Nachrichten aus dem Unternehmen, bevor der Anleger mit dem Gedanken spielen könnte, Aktien
dieser Aktiengesellschaft zu erwerben.


sell in May and go away!

Diese Börsenweisheit ist dadurch entstanden, dass sich Börsianer unterjährig über viele Jahrzehnte
Monatskursbewegungen angeschaut und verglichen haben. Es gibt anscheinend eine höhere
Wahrscheinlichkeit dafür, dass sich die Kurse im Monat Mai schlechter entwickeln, als in den meisten
anderen Monaten des Jahres. Deshalb die Weisheit "sell in may and go away", also sinngemäß
"Verkaufe im Mai (oder Ende April) und fahre in Urlaub. Dies sind natürlich nur höhere Wahrscheinlichkeiten
(wenn überhaupt) für schlechtere Entwicklungen im Mai. Diese Regel stupide anzuwenden ist aus meiner
Sicht nicht sinnvoll.


Die aktuelle Krise ist die Schlimmste!

Diese Börsenweisheit beschreibt ein menschliches Wahrnehmungsproblem, dass an der Börse eher
kontraproduktiv wirkt. Es gab im vergangenen Jahrhundert viele Krisen, die sich auf die Börsenkurse
sehr negativ ausgewirkt haben. Es gab Kriege, Weltwirtschaftskrisen, Ölpreisschocks etc. Doch alle
Krisen der Vergangenheit sind nicht so schlimm gewesen. Im Rückspiegel betrachtet! Denn alle
vergangenen Krisen sind vorbei und an der Börse überwunden. Dabei stellen Krisen an den Börsen
zumeist ideale Kaufmöglichkeiten dar, denn genau in solchen Krisen will niemand Aktien besitzen.
Und genau deshalb sind Aktien ja in solchen Krisen sehr billig. Obwohl jeder Anleger genau dies
aus der Historie lernen kann, sind seine Emotionen in jeder aktuellen Krise gefangen und der
Glaube an ein Ende der aktuellen Krise schwindet und mit ihm die Bereitschaft, Aktien billig
einzusammeln.


The trend is your friend!

The trend is your friend! Auf deutsch also sinngemäß: Der Trend ist Dein Freund!
Diese Börsenweisheit beschreibt, dass Trends in Einzelaktien (Aufwärtstrend oder Abwärtstrend einer
Aktie) oder in Teilbereichen des Geschäftslebens (zum Beispiel der Trend hin zu erneuerbarer Energie)
oder gar der gesamtwirtschaftlichen Situation (Aufschwung der Wirtschaft oder Abschwung der Wirtschaft)
eher längerfristigen Zyklen unterworfen ist und dass der Anleger zumeist besser fährt, wenn er diesen
Trend nicht zu schnell (durch schnelles Kaufen oder Verkaufen einer Aktie) unterbricht, wenn sich ein
solcher Trend heraus gebildet hat. Natürlich ist es unerlässlich, sich irgendwann gegen den Trend zu
stellen mit entsprechenden Aktionen. Aber generell ist es meist sehr gut, dem sich ausbildenden
Trend längerfristig zu folgen.


Man soll sich nie in eine Aktie verlieben!

Der Anleger sollte einer Aktie (einem Unternehmen) gegenüber möglichst kritisch (im Sinne von neutral
gegenüber stehen) bleiben. Denn er hat von einem neutralen Standpunkt aus gesehen immer 3
Möglichkeiten, in einer Aktie zu agieren. Kaufen, Halten und/oder Verkaufen. "Verliebt" sich der
Anleger in eine Aktie (ein Unternehmen), so besteht die Gefahr, dass die 3. Möglichkeit, der
Verkauf der Aktie, unwahrscheinlicher wird, obwohl es rein von den Fakten und der Bewertung der
Aktie angebracht wäre, zu verkaufen. Zwar gibt es einige wenige Glücksfälle von Aktien/Unternehmen, die
früh ihre Kapitalkosten deutlich erwirtschaften UND dabei weiteres deutliches Wachstum über
Jahre beziehungsweise Jahrzehnte generieren können (siehe dazu auch den Menupunkt Sparen).
Die meisten Unternehmen entwickeln sich aber, wenn überhaupt, nur moderat weiter. Deshalb sollte bei
einem Einstieg (Kauf einer Aktie) in ein Unternehmen der Ausstieg immer möglich bleiben.


Zum Einstieg an der Börse wird nicht geklingelt!

Börse ist und bleibt eine Institution, die nicht bis ins kleinste Detail berechenbar ist. Trotz aller Bemühungen
von Fundamentalisten, Charttechnikern und Markttechnikern lassen sich Kursbewegungen nicht exakt
vorausberechnen. Es gelingt vielleicht, gewisse Wahrscheinlichkeiten aufzustellen, dass ein Ereignis
(zum Beispiel steigende oder fallende Aktienkurse) eintritt. Deshalb gibt es auch vor einem Aufschwung
der Aktienkurse auf breiter Front über einen längeren Zeitraum niemandem, der einem sicher sagen
kann: "Lieber Anleger, jetzt ist es soweit. Kaufe Aktien!"
Diese Tatsache umschreibt der Börsenspruch "Zum Einstieg an der Börse wird nicht geklingelt!".


Sell on good news!

Für kurzfristiger orientierte Anleger kann diese Börsenweisheit sinnvoll sein. Verkaufe, wenn die guten
Nachrichten auf dem Tisch liegen (also gerade gemeldet wurden). Da die Börse der Realität
oftmals ein Stück voraus ist und da an der Börse versucht wird, die Zukunft zu berücksichtigen, ist davon
auszugehen, dass gute Nachrichten die Kurse bereits vor Veröffentlichung dieser Nachrichten haben
steigen lassen. Mit Erscheinen der guten Nachrichten sollte der kurzfristig orientierte Anleger eventuell
seine Aktien verkaufen. Für "Sell on good news!" existiert übrigens auch noch der Ausdruck "Buy the rumor,
sell the fact!", der im Prinzip den gleichen Umstand beschreibt.


Kaufen Sie Aktien niemals auf Kredit!

Die Börse zeigt immer wieder, dass Annahmen nicht von langer Dauer sein müssen. Auch eine angenommene
Entwicklung eines Unternehmens (einer Aktie) kann völlig anders laufen als geplant. Und anstatt deutlicher
Gewinne stehen dann deutliche Verluste bis hin zum Totalverlust zu Buche. Ein Anleger, der auf Kredit spekuliert,
begibt sich durch den Kredit in einem emotionalen Druck und handelt dann vielleicht anders als er es tun würde,
wenn er nur Eigenkapital einsetzen würde. Oft kommt es vor, dass Annahmen tatsächlich eintreffen, aber erst
einmal eine lange Durststrecke durchlaufen werden muss, bevor die Gewinne sichtbar werden. In dieser Durststrecke
kann auch die kreditgebende Bank auf den Verkauf der Aktie drängen. Natürlich zum ungünstigsten Zeitpunkt
überhaupt. Deshalb sollte der Anleger keine Kredite für einen aktienkauf aufnehmen.


Der maximale Verlust mit einer Aktie liegt bei 100 %

Ein Anleger, der Geld in eine beliebige Aktie investiert, kann im schlimmsten Fall einen Totalverlust erleiden und
damit das gesamte, in diese Aktie investierte Geld, verlieren. Schlimme Situation.
Ein Anleger, der Geld in eine beliebige Aktie investiert, kann, wenn es sehr gut läuft, eine Vervielfachung seines
investierten Geldes erfahren, wenn er die richtige Aktie besitzt und Zeit mitbringt.
Mathematisch gesehen ein genereller Grund für den Kauf von Aktien.


Die Börse ist keine Einbahnstrasse!

Mit dieser Börsenweisheit wird der Umstand beschrieben, dass ein Trend, egal in welcher Richtung (Aufwärtstrend,
Abwärtstrend) und egal in welchem Anlagevehikel (Aktien, Anleihen, Edelmetalle etc.) niemals ewig andauert. Der
Anleger sollte natürlich ein Gespür dafür entwickeln, wann und wo ein Trend einsetzen kann, aber er sollte
idealerweise auch darauf achten, wann dieser Trend zu Ende geht.


Erfolg an der Börse durch Winterschlaf!

Diese Börsenweisheit vermittelt einen ungemein wichtigen Sachverhalt. Es gibt Zeiten an der Börse, nämlich am Ende
eines Konjunkturaufschwungs mit entsprechend hohen Bewertungen der Aktienkurse, in denen der erfolgreiche
Investor gut daran tut, einen "Winterschlaf" zu halten. Das heisst, der erfolgreiche Investor räumt am Ende eines
Konjunkturaufschwungs seine Aktiendepots fast vollständig leer und hält das Geld in Geld auf der Bank oder in
Immobilien/Grundstücken oder in Edelmetallen, aber (bis auf ganz wenige Sondersituationen in Aktien) auf keinen
Fall in Aktien. Selbst wenn Sie den Zeitpunkt nicht richtig treffen, was wahrscheinlich ist, und die Börse beispielsweise
nach Ihrem Verkauf noch beispielsweise 20 % weiter steigt, sie wird wieder fallen. Weit mehr als 20 % und Sie können
Aktien sicher wieder billiger zurück kaufen. So sicher, wie es in Deutschland im Winter mindestens einmal unter 10 Grad
Celsius fällt.


Don´t fight the Fed!

Diese Börsenweisheit (Don´t fight the Fed - Kämpfe nicht gegen die Notenbank) bedeutet, dass sich ein Anleger dauerhaft
nicht gegen die Notenbanken stellen sollte. So werden Zinserhöhungen der Notenbanken irgendwann dazu führen,
dass dem Aktienmarkt Kapital entzogen wird und die Kurse fallen. Umgekehrt sorgen anhaltende Zinssenkungen zu
viel Liquidität, die sich irgendwann in steigenden Aktienkursen niederschlägt.


Hin und Her macht Taschen leer!

Ein schneller "Umsatz" im Depot sollte denen vorbehalten sein, die mit kurzfristigen Aktionen an der Börse ihr Geld
verdienen wollen, also den so genannten Tradern. Bei vielen anderen Anlegern stellt sich durch häufiges Kaufen und
Verkaufen von Aktien meist kein Erfolg ein. Dies liegt zum Einen natürlich an den Gebühren, die die depotführende Bank
bei jeder Transaktion veranschlagt. Zum Anderen produziert die Börse aber auch täglich unterschiedliche Meldungen
zu einzelnen Aktien, zu Währungen, zu Rohstoffen, zur Konjunktur etc. Diesen Einzelmeldungen, gerade auch im Hinlblick
auf einzelne Aktien, mit Käufen und Verkäufen zu folgen, würde bedeuten, dass der Anleger bei guten Meldungen eine
Aktie kauft (also dann, wenn der Kurs bereits gestiegen ist), um sie bei schlechten Nachrichten (also bei bereits niedrigeren
Kursen bedingt durch die schlechten Nachrichten) wieder zu verkaufen. Oftmals kauft der Anleger in diesem Szenario
die Aktien teurer ein um sie anschliessend wieder billiger zu verkaufen. Daher sollte ein Anleger auf das schnelle Hin und
Her von Transaktionen weitgehend verzicchten, es sei denn, es handelt sich um einen Trader. Der normale Anleger
ist in der Regel gut beraten, eine mittel- bis langfristige Strategie zu haben und tagesaktuelle Meldungen zu ignorieren.


Wahljahre sind gute Börsenjahre!

Die Statistik lehrt uns in Bezug auf die US-amerikanischen Börsen, dass die Jahre, in denen ein neuer
US-Präsident gewählt wird, gute Börsenjahre sind. Das heisst, dass die wichtigsten US-amerikanischen
Aktienindizes am Jahresende höher notieren wie am Jahresanfang. Bis dato zeigt sich auch 2012 wieder als
ein solch gutes Wahl- und Börsenjahr.



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