Zukunftsbranchen

 

Wer sich mit der Börse und mit Aktien beschäftigt, hat eine große Auswahl an Möglichkeiten,
sein Geld zu investieren. Selbst wer als Neuling an der Börse seine ersten Erfahrungen
sammelt, wird mit einiger Sicherheit sehr schnell auf so genannte Zukunftsbranchen
aufmerksam. Dafür dürfte schon die einschlägige Presse sorgen. Als Zukunftsbranchen
aus heutiger Sicht (2012) könnte vielleicht die Solarbranche gelten. Auch die Biotechnologie,
die Nanotechnologie, die "grüne" Energie insgesamt, die LED-Branche oder die
Smartphonebranche gelten aus heutiger Sicht als Märkte und Branchen, die sich enorm
entwickeln können, sowohl was potentielle Umsatzsteigerungen, aber auch was technologischen
Fortschritt anbelangt.
Das wären doch grundsätzlich dann die Branchen, in die ein Investor sein Geld investieren
sollte, oder etwa nicht!!!???
Meine langjährigen Erfahrungen in Punkto "Zukunftsbranchen" lassen hier ein ganz klares
"Jein" als Antwort auf die zuvor gestellte Frage zu.
Zukunftsbranchen stellen aus meiner Sicht einen heiss umkämpften Markt dar. Vor allem
dann, wenn die breite Masse der Überzeugung ist, dass sich mit genau dieser oder jener
betrachteten Zukunftsbranche unheimlich viel Geld verdienen lassen kann.
Und das erzeugt quasi automatisch ein hohes Wettbewerbsumfeld, weil sich sehr viele
Unternehmen auf die Zukunftsmärkte stürzen. Mit zunehmender Zeit dürften es in jungen,
sich entwickelnden Märkten immer mehr Unternehmen werden, die ein Stück vom
Umsatzkuchen für sich abschneiden möchten, bevor dann sinkende Margen und
Überkapazitäten einige Unternehmen zur Aufgabe zwingen und andere zum Zusammenschluß.
Die Darwinsche Theorie (Überleben des Stärksten) ist aus meiner Sicht in Zukunftsbranchen
am stärksten ausgeprägt.
Dies offeriert im Umkehrschluss aber auch große Chancen für die Marktführer in Zukunftsbranchen,
und damit auch für Investoren, die Anteile an solchen Marktführern in Zukunftsbranchen
besitzen. Ein Beispiel: Wer circa im Jahr 1990 Anteile von Cisco Systems (ein Netzwerkausrüster)
gekauft und bis zum Jahr 2000 behalten hätte, könnte sich über einen Gewinn seines
eingesetzten Kapitals von rund 77.000 % freuen. Anders ausgedrückt: Mit einem Einsatz
von 10.000 US-$ im Jahr 1990 hätte der Anleger im Jahr 2000 ein Vermögen von rund
7,7 Millionen US-$ erreicht. Im Übrigen noch ohne in dieser Zeit eventuell gezahlten Dividenden.
Manchmal reicht aber auch der Hype in einer Zukunftsbranche aus, um ein gut positioniertes
Unternehmen innerhalb kurzer Zeiträume in ungeahnte Höhen zu treiben.
Beispiel Human Genome Sciences: Wer diese Biotechnologieaktie in 1999 gekauft hätte, dürfte sich
circa 1 Jahr später über einen Gewinn von rund 14.000 % freuen. Aus 10.000 US-$
wären hier also rund 140.000 US-$ geworden. Wohl gemerkt innerhalb eines Zeitraums
von ungefähr einem Jahr.
Wir sehen also: Zukunftsbranchen können sich für einen Investor lohnen.
Ist die Rede von Zukunftsbranchen, sollte der Investor aber auch nicht außer Acht lassen,
dass die Ausgaben für Forschung und Entwicklung der "Zukunftsprodukte" eklatant hoch sind
und in der Regel hoch bleiben. Dies ist ein weiterer ganz klarer Nachteil einer Zukunftsbranche
im Vergleich zu zum Beispiel einer Restaurantkette, die zwar Werbungsausgaben hat,
jedoch kaum oder keine Ausgaben für Forschung und Entwicklung.
Kommen wir zu einem weiteren Punkt im Zusammenhang mit Zukunftsbranchen, nämlich der
Börsenbewertung von Zukunftsbranchen:
In der Regel lässt sich die Zukunft (und damit Aktien, die Zukunftsthemen behandeln) bei einem
Anleger weitaus besser platzieren als Unternehmen in unspektakulären Branchen. Das
bedeutet für Aktien aus Zukunftsbranchen, dass diese im Allgemeinen teurer sind als der
Durchschnitt aller Aktien an der Börse. Für einen Anleger bedeutet dies im Umkehrschluss,
dass er in Zukunftsbranchen relativ wenig Unternehmen für viel Geld erhält.