Vergangenheit des Unternehmens (Rückblick)

 

Wenn Sie sich mit einem Unternehmen näher beschäftigen, so hat dieses Unternehmen in aller Regel
eine Vergangenheit und auch eine Börsenvergangenheit. Es sei denn, es handelt sich um ein Unternehmen,
welches gerade erst neu an die Börse gekommen ist (zum Beispiel IPO, Going Public). Dann gibt es logischerweise
keine beziehungsweise kaum eine Börsenvergangenheit.
Ein bereits seit vielen Jahren an der Börse notiertes Unternehmen hat seit Jahren einen Chart,
also die gesammelten Veränderungen des Aktienkurses über einen bestimmten Zeitraum.
Dies (den Kursverlauf des Unternehmens an der Börse) kann der Anleger auch als Bewerbungsmappe des
Unternehmens bei ihm ansehen. Warum denn auch nicht?
Was sollte generell von einem Unternehmen gehalten werden, dass über einen langen Zeitraum (beispielsweise
10 Jahre) einen ständig sinkenden Aktienkurs vorzuweisen hat (bei normalen, am Kapitalmarkt üblichen
Dividendenrenditen oder gar keinen Dividenden)?
Denken Sie doch mal an ein reales Bewerbungsgespräch eines Arbeitnehmers bei Ihnen. Da kommt ein Arbeitnehmer,
bei dem bislang alles im beruflichen Leben schief gegangen ist. Ausbildungen abgebrochen, Arbeitgeber ständig nach
kurzer Zeit gewechselt etc. Natürlich kann es in Einzelfällen unberechtigt sein, genau diesen Bewerber nicht einzustellen.
Aber von Ausnahmen abgesehen. Warum sollten Sie sich für genau diesen Bewerber als Ihren neuen Mitarbeiter
entscheiden? Wo es doch gleichzeitig hunderte andere Bewerber mit besseren Qualifikationen gibt.
Warum sollte der Investor hier anders vorgehen? Wie will ein Unternehmen einen potentiellen, langfristig ausgerichteten
Investor überzeugen, sein Geld genau dort anzulegen, wenn sich der Aktienkurs beispielsweise in 10 Jahren von 100 Euro
auf 10 Euro zurück entwickelt hat?
Mein Tip: Seien Sie hier besonders vorsichtig und überlegen Sie sich genau, ob Sie gerade in dieses Unternehmen investieren
müssen. Es gibt Ausnahmen, zugegeben. Aber wollen Sie wirklich darauf wetten, dass das Ihnen vorliegende Unternehmen
das Eine unter 999 anderen ist, dass von der Börse über einen derart sinkenden Aktienkurs ungerechtfertigt abgestraft wurde?
Stellen Sie sich ausserdem einmal die Frage, warum die Negativserie im Aktienkurs ausgerechnet dann gestoppt werden
sollte, wenn Sie Aktienanteile am Unternehmen kaufen.
Gute Unternehmen, die dem Aktionär langfristig einen Mehrwert seines eingesetzten Kapitals bieten, weisen oftmals
einen steigenden Aktienkurs über einen langen Zeitraum auf. Blicken Sie 10 Jahre zurück, haben Sie auch nach Steuern und
Inflation einen deutlichen Zugewinn Ihres ursprünglichen Kapitaleinsatz (über Kursanstieg plus Dividenden) vereinnahmen können.
Keine Regel ohne Ausnahme: Natürlich können auch sehr gute Unternehmen in Schieflage geraten. Sei es, weil es
betriebsinterne Probleme gibt oder auch, weil es Finanzkrisen gibt. Sollten diese guten Unternehmen diese Schieflage
überleben, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie an frühere Erfolge anknüpfen können.
Übrigens:
Das Mentale (Emotionale) bei der Betrachtung eines langfristig abwärts oder maximal seitwärts gerichteten Aktienkurs
lässt sich auch fundamental oftmals leicht damit begründen, dass das Unternehmen beim Blick in seine Bilanz nicht
in der Lage ist, dauerhaft seine Kapitalkosten zu erwirtschaften.

Wenngleich der Chart über einen langen Zeitraum gesehen in wahrscheinlich 99 % aller Fälle bereits eine eindeutige
Aussage über die Qualität eines Unternehmens im Hinblick auf ein lohnendes, dauerhaftes Investment zulässt,
gibt es eine Kennzahl, mit der die so genannte "Aktienrendite" genau bestimmt werden kann. Diese "Kennzahl" nennt
sich Total Shareholder Return (Abkürzung TSR). Diese Kennzahl kann sehr oft auch direkt beim Unternehmen erfragt
werden im Hinblick auf einen gesetzten Zeitraum oder gar im Hinblick auf den gesamten Zeitraum der "Börsengeschichte"
des Unternehmens.

TSR = [(Aktienkurs Ende - Aktienkurs Anfang) + Dividenden] / Aktienkurs Anfang * 100
Formel für den Total Shareholder Return

Der TSR ermittelt alle Erträge aus Kursgewinnen und Dividenden in einer betrachteten Zeitperiode. Die Erträge
werden dann in Bezug gestellt zum Aktienkurs am Anfang der Zeitperiode. Multiplikation mit 100 liefert eine Zahlenangabe
in Prozent. Abschliessend muss beziehungsweise kann diese absolute Zahl noch auf einen jährlichen Zeitraum
verteilt werden. Beispiel: in 3 Jahren liefert der TSR (Total Shareholder Return) einen Zahlenwert von 30 %.
30 % / 3 Jahre würde bedeuten, dass der Aktionär im Durchschnitt von 3 Jahren jeweils 10 % Rendite erwirtschaften
konnte. Vor Steuern und vor Inflation versteht sich.
Wichtig: Bei der Einpflegung der Werte für den Aktienkurs am Anfang und den Aktienkurs am Ende der Zeitperiode ist
es wichtig, den Aktienkurs um eventuelle Splits, die in der Vergangenheit statt gefunden haben, zu bereinigen.
Gute Unternehmen liefern dabei jährliche TSR-Werte, die zum Einen positiv sind und sich zum Anderen mindestens
auf dem Niveau der Zinsmärkte bewegen.

 

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