Produkte und Mitarbeiter kennen lernen

 

Als potentieller Anleger in einem Unternehmen haben wir alle als Konsumenten die Möglichkeit, die
Produkte mancher Unternehmen näher kennen zu lernen. Das gilt insbesondere für Unternehmen, die sich
mit ihrem Produktspektrum direkt an den Endverbraucher wenden. Was liegt da näher, als einen Softdrinkkonzern
durch Kauf eines "Brauseprodukts" kennen zu lernen, indem der Verbraucher den Preis und den Geschmack
des Produktes selbst einzuschätzen versucht. Was liegt näher, als einen Konzern, der Tiefkühlprodukte
herstellt, dadurch zu beurteilen, einfach ein solches Tiefkühlprodukt zu kaufen und zu bewerten. Die Auflistung
liesse sich beliebig fortsetzen. Manchmal erschliesst sich einem potentiellen Anleger der Grund, warum sich
einige Unternehmen stetig weiterentwickeln können und andere nicht, schon alleine aufgrund des zuvor
angeführten "Qualitätstest".
Einige Mitarbeiter des Unternehmens können Sie ebenfalls teilweise direkt vor Ort kennen lernen. Hier
könnten einige Beispiele aufgeführt werden. Zum Beispiel haben Sie die Möglichkeit, Mitarbeiter eines
Kaufhauses kennen zu lernen, in dem Sie einfach dieses Kaufhaus besuchen. Oder Sie können
die Mitarbeiter einer Bank kennen lernen, in dem Sie einfach in die Bank hinen gehen und als potentieller
Kunde auftreten. Wenn Sie sich ein Bild von den Mitarbeitern des Sie interessierenden Unternehmens
gemacht haben, gehen Sie am Besten zur "Konkurrenz" und vergleichen erneut. Was gefällt Ihnen
bei der Konkurrenz besser? Wo fühlen Sie sich als Kunde am Besten aufgehoben? Dies alles
können Fragen (und Antworten) sein, die Sie näher an eine Anlageentscheidung heran führen können.
Ich habe grundsätzlich die Erfahrung gemacht, dass hier die Einzelfallbetrachtung (also zum Beispiel der
Besuch eines Kaufhauses des Unternehmens) ausreichend ist, um ein Gefühl für die Art und Qualität der
Mitarbeiter zu erhalten. Dies ist aus meiner Erfahrung deshalb relativ treffsicher, weil sich in einem
speziellem Unternehmen auch immer ein spezieller Typ Mensch wider findet. Menschen, die dort nicht
hinein passen, werden irgendwann selbst kündigen oder sie werden gekündigt.
Sie können diese These einfach mal überprüfen, in dem Sie zum Beispiel verschiedene Banken oder
verschiedene Autohäuser betreten und sich die Frage stellen, ob es bei jedem einzelenen Unternehmen
ganz spezielle Typen von Menschen gibt, die sich speziell in diesem Unternehmen sammeln.
Ich vermute mal, Sie werden auch ohne ein Psychologiestudium absolviert zu haben, mit großer
Wahrscheinlichkeit einen roten Faden finden.
Schlussendlich müssen Sie in Bezug auf ein Sie als potentieller Investor interessierendes Unternehmen
versuchen, den roten Faden der Mitarbeitertypen zu finden und zu definieren. Schliesslich bleibt zu
entscheiden, ob der Mitarbeitertyp, den Sie identifizieren, Ihren Vorstellungen entspricht oder eher nicht.
Ich denke, nun ist ein speziell auf Ihre "Energie" angepasster Mitarbeitertyp zwar kein Erfolgsgarant.
Jedoch hilft es Ihnen meiner Meinung nach sehr, wenn Sie einem Unternehmen (einer Aktie) über längere
Zeit die Treue halten wollen (was bei längerfristig angelegten Anlageentscheidungen oftmals notwendig ist),
wenn Mitarbeiter und Unternehmensführung mehr in Ihrem Sinne entscheiden. Wenn das Denken
der Mitarbeiter und der Unternehmensführung Ihrem eigenen Denken also Nahe steht.
Anders ausgedrückt: Wenn Sie längerfristig in ein Unternehmen (eine Aktie) investieren möchten,
so kann es durchaus öfter vorkommen, dass sich Ihre positive Erwartungshaltung zur
Unternehmensentwicklung und zur Aktienkursentwicklung zunächst nicht wie erwartet erfüllt.
Wenn dieses Unternehmen dann in eine wirtschaftlich schwierige Zeit hinein gerät, aber Führungsentscheidungen
in Ihrem Sinne getroffen werden, lässt sich eine solch schwierige Zeit als Aktionär durchhalten.
Gerät das Unternehmen aber in schwieriges wirtschaftliches Fahrwasser und Sie haben zudem das Gefühl,
dass Führungsentscheidungen unlogisch und nicht in Ihrem Sinne ablaufen, werden Sie vermutlich
dazu neigen, die vielleicht vorübergehende Durststrecke des Unternehmens nicht weiter als Aktionär
zu begleiten. Denn dafür gibt es dann psychologisch keine Legitimation mehr. Ein Unternehmen in
schwierigem Fahrwasser mit einer Führungsriege, der Sie stundenlang in den Hintern treten könnten...
Sehr schwierig, ein solches Unternehmen als Aktionär zu begleiten.
Daher halte ich es für besser, gleich zu Beginn einer Investition in Aktien (Unternehmen) darauf
zu achten, dass es zumindest mental passt.