Hauptversammlung (HV)

 

In Deutschland hält jedes börsennotierte Unternehmen einmal im Jahr eine Hauptversammlung ab.
Eine gute Gelegenheit, die Personen kennen zu lernen, in die Sie möglicherweise Ihr Geld investieren
möchten oder dies bereits getan haben. Übrigens ist es auch in anderen Ländern meines Wissens
üblich, dass Hauptversammlungen (im angloamerikanischen Raum übrigens Annual General Meetings
[AGM] genannt) einmal im Jahr abgehalten werden.

Einladung zur HV

Als Aktionär einer deutschen Aktiengesellschaft erhalten Sie von Ihrer Bank automatisch eine
Einladung zur Hauptversammlung beziehungsweise die Möglichkeit, sich eine Eintrittskarte zu
bestellen. Dies kann auf dem Postweg geschehen oder Sie geben die ausgefüllten Unterlagen
einfach bei Ihrem Bankberater ab. Einige Tage/Wochen später bekommen Sie die Eintrittskarten
per Post zugeschickt. Durch die Bestellung der Eintrittskarten ist es dann bis zur
Hauptversammlung nicht mehr möglich, die Aktien der Gesellschaft, für die Sie Eintrittskarten
bestellt haben, zu verkaufen.
Der Einladung zur Hauptversammlung liegen gleichzeitig weitere Informationen wie eine
Wegbeschreibung, die Uhrzeit des Einlasses in die Räume der Hauptversammlung, den Zeitpunkt
des Beginns der Hauptversammlung und die Tagesordnungspunkte (TOP´s) bei.
Übrigens: Wenn es sich um größere Aktiengesellschaften handelt und Sie in der Nähe des
Hauptversammlungsorts wohnen, kann es sein, dass der Einladung zur HV noch kostenlose
Fahrkarten beiliegen, die es Ihnen ermöglichen, am Tag der Hauptversammlung kostenlos
die regionalen Busse und Bahnen zu benutzen.
Falls Sie über keine Aktien des für Sie interssanten Unternehmens verfügen, so haben Sie die
Möglichkeit, sich direkt mit der IR-Abteilung des Unternehmens in Verbindung zu setzen und um
eine Besuchereintrittskarte zu bitten. Oftmals zeigen sich die Unternehmen kulant und gewähren Ihnen
eine solche "Besuchereintrittskarte", wenn Sie sich für das Unternehmen und dessen Aktien
interessieren. Sie können dann der HV beiwohnen und das Unternehmen und die beteiligten
Personen dadurch besser kennen lernen. Ein Stimmrecht auf der HV erhalten Sie freilich über eine
Besuchereintrittskarte/Gastkarte nicht.

Gegenantrag/Gegenanträge

Als Aktionär einer deutschen Aktiengesellschaft haben Sie das Recht, zu den Tagesordnungspunkten
der Hauptversammlung Gegenanträge schriftlich zu formulieren, der Aktiengesellschaft zu übermitteln
und diese Gegenanträge damit auf der Hauptversammlung allen Aktionären zur Abstimmung vorzulegen.
Wenn Sie der Hauptversammlung (den übrigen Aktionären) plausibel machen können, warum ihr Gegenantrag
sinnvoll und zum Wohle der Aktiengesellschaft sein könnte, kann es durchaus sein, dass die übrigen
Aktionäre Ihrem Gegenantrag folgen.

Ablauf der HV

Obwohl das rechtliche Rahmengerüst der Hauptversammlung bei Aktiengesellschaften mehr oder weniger
gleich beziehungsweise ähnlich ist, gibt es doch erhebliche Unterschiede im Ablauf, der Dauer der
Hauptversammlung, in der Präsentation und der Anzahl der Teilnehmer sowie den Räumlichkeiten.
Je nachdem, ob es sich um eine eher kleine Aktiengesellschaft (zum Beispiel aus dem Nebenwertesegment)
handelt oder eine große Publikumsgesellschaft (zum Beispiel DAX - Unternehmen), zu der viele
hunderte/tausende von Aktionären erwartet werden.
Ein Unterschied, der mir persönlich zum Beispiel aufgefallen ist, besteht darin, dass kleinere Aktiengesellschaften
in der Regel eher von an der Gesellschaft interessiertem Publikum (Aktionären) besucht werden,
wohingegen größere Gesellschaften einen prozentual höheren Anteil an Personen/Aktionären aufweisen,
die primär interessiert, was es kostenlos zu Essen und zu Trinken gibt und welche Geschenke Sie
eventuell noch zusätzlich zu freier Kost mit nach Hause nehmen können. Diese Aktionäre halten
oftmals nur eine einzige Aktie (oder wenige Aktien) des Unternehmens und erhalten damit jedes Jahr
eine Einladung zur HV, beziehungsweise zu kostenlosem Essen und Trinken, eventuell noch Geschenken
und kostenlosem Transport mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus und/oder Bahn.
Doch nun zum Ablauf:
Beim Zugang zum Gelände/Raum, an dem die Hauptversammlung statt findet, gibt es vor allem bei
größeren Hauptversammlungen Sicherheitschecks wie im Flughafen. Hat der Aktionär diese Sicherheitsschleusen
passiert, wird er gebeten, seine Eintrittskarte abzugeben. Im Gegenzug erhält er seinen
Stimmblock/seine Stimmkarten. Diesen Stimmblock (Stimmkarten) benötigt der Aktionär, um am Ende der
Hauptversammlung sein Stimmrecht wahr zu nehmen.
Ein wenig mehr zum Thema Stimmblock/Stimmkarte(n) finden Sie hier.
Im Hauptversammlungsraum/Hauptversammlungsbereich liegt dann für interessierte Aktionäre der Geschäftsbericht
und die Einladung zur Hauptversammlung noch einmal kostenlos aus. Eventuell präsentiert sich das
Unternehmen dem Aktionär und den Pressevertretern in weiteren kostenlosen Informationsbroschüren.
Nachdem die Aktionäre nahezu immer eine Kleinigkeit zu Trinken gereicht bekommen haben und evtl. noch
eine Kleinigkeit zu Essen, lädt der Aufsichtsratsvorsitzende alle Aktionäre in den Versammlungsraum ein.
Zu Beginn der Veranstaltung begrüßt der Aufsichtsratsvorsitzende die Aktionäre. Eventuell werden danach
personelle Veränderungen in Vorstand und Aufsichtsrat bekannt gegeben und alle Anwesenden Entscheidungsträger
des Unternehmens vorgestellt.
Danach geht der Aufsichtsratsvorsitzende die Formalien durch, die in dieser Hauptversammlung gelten sollen.
Es wird noch einmal darauf hingewiesen, wie diese Hauptversammlung zu Stande gekommen ist
(Einladungsveröffentlichung, Bekanntmachung in verschiedenen Medien etc.), dass die Hauptversammlung
von einem Notar mit einer Niederschrift begleitet wird, und dass das Teilnehmerverzeichnis der
Hauptversammlung in Kopie zur Einsicht für die Aktionäre ausliegt.
Aktionäre, die sich nach dem Vortrag des Vorstandes zu Wort melden wollen, werden darauf hingewiesen,
dass eine Anmeldung an so genannten Wortmeldetischen erwünscht und notwendig ist.
Ausserdem wird meistens darauf hingewiesen, wie und wie oft der Vorstand und der Aufsichtsrat im abgelaufenen
Geschäftsjahr miteinander kommuniziert haben.
Dann wird die Tagesordnung im Vorfeld vom Aufsichtsrat formal durchgesprochen.
Nahezu immer wird auch durch den Aufsichtsratsvorsitzenden die Vergütung der Bezüge von Vorstand und
Aufsichtsrat thematisiert.
Dann übergibt der Aufsichtsratsvorsitzende das Wort an den Vorstand:
In seinem Vortrag lässt der Vorstand das abgelaufene Geschäftsjahr operativ noch einmal Revue passieren.
Er erläutert dabei in der Regel detailliert und manchmal mit medialer Unterstützung, wie sich der operative
Verlauf im abgelaufenen Geschäftsjahr dargestellt hat, welche Schwierigkeiten es gegeben hat und welche
Erfolge gefeiert werden konnten. Der Aktionär erhält durch die Vorstandspräsentation in der Regel tiefere
Einblicke in das operative Geschäft des Unternehmens und die Produktpalette. Ihm werden Zusammenhänge
dargelegt, warum bestimmte Entscheidungen notwendig sind und waren und eventuell wie unterschiedliche
operative Geschäftsfelder im Unternehmen zusammen spielen.
Meistens gibt der Vorstand auf der Hauptversammlung noch einen Einblick in die aktuelle Geschäftslage und
präsentiert den Aktionären einen Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr.
Alles in allem meiner Meinung nach höchst interessant!!!
Nach dem Vortrag des Vorstands geht das Wort zunächst zurück zum Aufsichtsratsvorsitzenden, der dann
die anschliessende Debatte eröffnet, in der auch Aktionäre zu Wort kommen können.
Die Debatte wird meist in Form einer Generaldebatte geführt. Das heisst: Jeder Aktionär kann sich zu
jedem Punkt der Tagesordnung melden und darüber hinaus weitere Fragen zum Unternehmen, zu Produkten
des Unternehmens, zu Mitarbeitern des Unternehmens usw. stellen. Jeder Aktionär hat von Gesetz wegen
ein Recht auf Antwort und Auskunft zu legitim gestellten Fragen.
Unmittelbar nach dem Vortrag des Vorstands wird das Wort meist den Aktionärsvertretern (zum Beispiel der SDK
oder der DSW) erteilt, die dann in der Regel weitere qualifizierte Fragen stellen. Fragen und Antworten des
Vorstands/Aufsichtsrat sind meistens wertvolle Quellen von zusätzlichen Informationen, die selten im Geschäftsbericht
zu lesen sind. Nach diesen Aktionärsvertretern werden die weiteren Wortmeldungen abgearbeitet, immer wieder
unterbrochen von Antwortrunden des Vorstands/Aufsichtsrats auf bis dahin gesammelte Fragen. Der Vorstand
und/oder Aufsichtsrat des Unternehmens wird bei der Beantwortung der teils detaillierten Fragen durch das
Backoffice-Team des Unternehmens unterstützt.
Gibt es keine weiteren Wortmeldungen mehr, beginnt auf Anweisung des Aufsichtsratsvorsitzenden die Abstimmung
zu den Tagesordnungspunkten.
Dazu wird jeder Tagesordnungspunkt gesondert zur Abstimmung gebracht. "Ja-Stimmen", also Stimmen im Sinne
der Verwaltung der Aktiengesellschaft, werden nicht gesondert gesammelt. In einer Box sammeln Mitarbeiter des
Unternehmens jeweils die Stimmen der Aktionäre ein, die sich der Abstimmung in dem speziellen Tagesordnungpunkt
enthalten oder die gegen die Vorschläge der Verwaltung stimmen ("Nein-Stimmen"). Nach erfolgter Abstimmung
zu allen Tagesordnungspunkten werden die Stimmen in Ruhe ausgezählt. Dazu gibt es meist eine kleine Pause.
Sind alle Stimmen zu allen Tagesordnungspunkten ausgezählt, wird das Ergebnis der Hauptversammlung (allen
anwesenden Aktionären) bekannt gegeben und die Hauptversammlung damit formal beendet.
Für alle, die mehr am leiblichen Wohl interessiert sind als am Inhalt einer Hauptversammlung:
Vor, während und nach einer formal beendeten Debatte in der Hauptversammlung werden kostenlose Getränke
bereit gestellt. Oftmals gibt es auch noch kostenloses Essen.
Mit Verlassen einer Hauptversammlung (oder manchmal auch während einer Hauptversammlung) werden den
Aktionären gelegentlich noch einige Präsente überreicht. Präsente, die oftmals einen Bezug zu den Produkten
des Unternehmens haben.

 

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