Risikoaufschlag (bei Aktien)

 

Im Menupunkt "KGV" (Kurs Gewinn Verhältnis) wird die Preiswürdigkeit einer Aktie eingebettet in das
jeweils vorherrschende Zinsumfeld. Ein sehr wichtiger Schritt auch im Hinblick auf
Unternehmensbewertungsmodelle. Der Vergleich also zwischen einer zu erwartenden "Rendite" aus einem
Unternehmen (einer Aktie) und den Renditen aus relativ sicheren Zinspapieren.
Nun ist es aber im Fall von Unternehmen (Aktien) so, dass eine Unternehmensbeteiligung IMMER ein
Risiko darstellt. Im schlimmsten Fall droht dem Anleger der Totalverlust des eingesetzen Kapitals.
Vergleicht der Anleger also die zu erwartende "Rendite" aus einem Aktieninvestment mit einem recht
sicheren Zinspapier, so muss dem Risikofaktor "Aktie" Rechnung getragen werden.
Grundsätzlich gibt es aber auch innerhalb eines Aktienengagements sicherer erscheinende Investments
und unsicherer erscheinende Aktienengagements. Dies ist von Firma zu Firma unterschiedlich.
Es gibt Firmen (zum Beispiel Moodys oder Mc Graw Hill [Standard & Poors] oder Fitch), die solche
Risikoeinschätzungen von Wertpapieren vornehmen und eine Art Bewertungssystem geschaffen haben.

Nachfolgende Tabelle gibt eine Erläuterung der "Notengebung" von Ratingagenturen inklusive einer
Einschätzung des Risikos:

Tabelle: Ratings der zwei marktbeherrschenden Ratingagenturen (Standard & Poors und Moodys)

Standard & Poors
Erläuterung
Moodys
AAA
höchste Qualität
Aaa
AA+
Aa1
AA
Aa2
AA-
Aa3
A+
A1
A
risikoloser
A2
A-
A3
BBB+
Baa1
BBB
Baa2
BBB-
 
Baa3
BB+
Ba1
BB
Ba2
BB-
Ba3
B+
B1
B
B2
B-
risikoreicher
B3
CCC+
CCC
Caa
CCC-
CC
CC
C
C
D
Schrott / Junk

 

Im Menupunkt "KGV" wird gezeigt, wie sich das Kurs Gewinn Verhältnis einer Aktie einbettet in die
vorherrschende Zinslandschaft. Es wird zum Beispiel gezeigt, dass das (Idealbedingungen vorausgesetzt)
maximale KGV bei einer Maximalrendite von 5 % bei "sicheren" festverzinslichen Wertpapieren (zum
Beispiel Anleihen) 20 betragen darf, wenn mit konstanten Unternehmensgewinnen gerechnet werden
kann.

Beispielsituation für den Anleger:

Anlagebetrag: 100.000 Euro
Anlagedauer: 15 Jahre
Zinssatz: 5 % pro Jahr
Zinsen vor Steuern demnach: 5.000 Euro pro Jahr!

Anleihen KGV = (100.000 Euro / 5.000 Euro) = 20

auch für Aktien mit konstanten Gewinnen sollte das
KGV 20 nicht übersteigen (Idealbedingungen
vorausgesetzt)

 

 

 

 


 

 

Wie aber lassen sich nun die gewonnenen Erkenntnisse über Risikoaufschläge konkret in die
zuvor angesprochene Überlegung einbauen?
Klar ist das Endresultat:
Der Preis einer Aktie muss einem erhöhten Risiko Rechnung tragen und etwas niedriger sein wie in
einer fiktiven Welt, in der Aktien/Unternehmen kein Insolvenzrisiko und/oder Gewinnrisiko tragen. So
sollte im vorgenannten Beispiel auch das maximal bezahlbare Kurs Gewinn Verhältnis nicht mehr bei
20 % liegen, sondern niedriger. Dies liesse sich dadurch erreichen, in dem der maximale Zinssatz der
"sicheren" festverzinslichen Wertpapiere nicht mehr bei 5 % angenommen wird (Realität), sondern um
eine Zahl "X" erhöht wird, beispielsweise um 0,5 %. Dies führt dann zu:

Beispielsituation für den Anleger:

Anlagebetrag: 100.000 Euro
Anlagedauer: 15 Jahre
Zinssatz: 5 % + 0,5 % pro Jahr (also 5,5 %)
Zinsen vor Steuern demnach: 5.500 Euro pro Jahr!

Anleihen KGV = (100.000 Euro / 5.500 Euro) = 18,18...

auch für Aktien mit konstanten Gewinnen sollte das
KGV 18,18... nicht übersteigen (Idealbedingungen
vorausgesetzt)

 

 

 

 

 

 

 

Vorgenanntes Beispiel ist tendenziell wichtig. Die absoluten Größen, die für einen Risikozuschlag
angesetzt werden sollten, sind erstens abhängig von der Risikosituation einer einzelnen Aktie.
Zweitens gibt es keine Größe eines Risikozuschlags, auf den sich alle Betriebswirte dieser Welt
einigen können. Meine subjektive Einschätzung ist die, dass Unternehmen (Aktien) mit einer
gesunden Bilanz, einem funktionierenden und dauerhaften Geschäftsmodell und einer guten Rendite,
also einer sehr guten Bewertung von Ratingagentueren, mit einem Risikoaufschlag von circa 0,5 % ganz
gut eingeordnet werden können.
Unabhängig von der absoluten Zahl beim Risikozuschlag muss es jedoch (je nach Notengebung der
Ratingagenturen), eine Abstufung geben. Tendenziell muss der Risikozuschlag immer größer werden,
je schlechter das Rating eines Unternehmens/einer Aktie ist.

Woher bekommt der Anleger Ratings?

Der beste Weg, um Informationen über Ratings zu bekommen, ist der Kontakt zur Investor Relations
Abteilung eines Unternehmens. Ratingeinstufungen kosten die Unternehmen Geld. So ist es nicht
verwunderlich, dass lange nicht jedes Unternehmen ein Rating besitzt. Falls ein Rating vorhanden
ist, wird dieses in aller Regel von der Investor Relations Abteilung dem Anleger auf Anfrage kommuniziert.

 

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