Kapitalflussrechnung (Cashflow)

 

An dieser Stelle möchte ich auf die Kapitalflussrechnung zu sprechen kommen, die im englischen
Sprachgebrauch auch "Cashflow-Rechnung" genannt wird. Diese findet sich in nahezu jedem
Geschäftsbericht einer börsennotierten Aktiengesellschaft. Und zwar im Anhang, in dem auch die
GUV, die Bilanz und Eigenkapitalveränderungen aufgeführt werden. Die Kapitalflussrechnung
dokumentiert Veränderungen der liquiden Mittel, die ihrerseits in der Aktivseite einer Bilanz zu finden
sind. Nachfolgend sollen anhand einer fiktiven Kapitalflussrechnung einige für den Anleger
möglicherweise wichtige Sachverhalte allgemein interprätiert werden.


fiktive Beispielkapitalflussrechnung

2008
Vorjahr
in Millionen €
in Millionen €
Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit
Operatives Ergebnis (EBIT)
12.0
10.0
+111Abschreibungen
7,0
7,0
+/- 11Erhöhung/Verminderung langfristiger Rückstellungen
0,5
0,5
- 111Steuern vom Einkommen und vom Ertrag
- 5,0
- 4,0
Brutto Cashflow
14,5
13,5
+/- 11Erhöhung/Verminderung Vorräte
- 2,5
- 1,4
+/- 11Erhöhung/Verminderung Forderungen aus L. u. L.
1,0
- 1,8
+/- 11Erhöhung/Verminderung Verbindlichkeiten aus L. u. L.
1,7
- 1,0
+/- 11Erhöhung/Verminderung kurzfristiger Rückstellungen
0,2
0,5
+/- 11Erhöhung/Verminderung sonstigesNettoumlaufvermögen
1,0
2,0
-1111Zinsaufwand
- 1,5
- 1,5
Mittelzufluss aus laufender Geschäftstätigkeit 11111111111111(Block A)
14,4
10,3
Cashflow aus Investitionstätigkeit
Auszahlungen für Investitionen in das Anlagevermögen
- 6,0
- 9,0
+111Einzahlungen aus Abgängen von Gegenständen des Anlagevermögens
0,8
0,7
+111Zinsertrag
0,2
0,2
Mittelabfluss aus investiver Tätigkeit 1111111111111111111111(Block B)
- 5,0
- 8,1
Cashflow aus Finanzierungstätigkeit
Gezahlte Dividende der Firma XY
- 2,0
- 2,0
+/- 11Aufnahme/Tilgung Bankverbindlichkeiten
- 1,0
2,0
+/- 11Aufnahme/Tilgung Verbindlichkeiten aus Finanzierungsleasing
- 0,8
- 0,3
Mittelabfluss aus Finanzierungstätigkeit11111111111111111111(Block C)
- 3,8
- 0,3
 
Zahlungsmittelwirksame Veränderungen des Finanzmittelbestandes
5,6
1,9
+111Finanzmittelbestand am Anfang der Periode
4,0
3,8
Finanzmittelbestand am Ende der Periode
9,6
5,7

Warum Kapitalflussrechnungen?

Es gibt mehrere Gründe, warum Kapitalflussrechnungen wichtig sind. In erster Linie wird der
Jahresüberschuss um Komponenten bereinigt, die nicht direkt zahlungswirksam sind. Dazu
folgende Überlegung:

Beispiel: Ein Unternehmen kauft eine neue Anlage aus dem Kassenbestand (liquide Mittel) für
10 Millionen Euro und schreibt die Maschine linear über 10 Jahre ab.. Das heisst also, jedes Jahr
müssen (10 Millionen Euro / 10 Jahre = 1 Million Euro) 1 Million Euro abgeschrieben werden. Jedes
Jahr können also 1 Million Euro steuerwirksam vom Ergebnis abgezogen werden. Was aber
würde real durch diesen Vorgang in der Kasse passieren? Würde dort auch jedes Jahr 1 Million
Euro entnommen? Nein! In der Kasse findet real ein ganz anderer Vorgang statt. Im ersten Jahr,
also dann, wenn die Anlage gekauft und bezahlt werden muss, "verliert" die Kasse 10 Millionen
Euro. In den 9 Folgejahren passiert allein durch diesen Vorgang des Anlagenkaufs in der Kasse
gar nichts mehr. Die Kapitalflussrechnung verfoglt die Zielsetzung, den Jahresüberschuss um
Komponenten zu bereinigen, die nicht direkt zahlungswirksam sind

1. Grund: Die Kapitalflussrechnung verfoglt die Zielsetzung, den Jahresüberschuss um
Komponenten zu bereinigen, die nicht direkt zahlungswirksam sind! (siehe Beispiel oben)

2. Grund: In obiger Tabelle einer fiktiven Kapitalflussrechnung wurden bewusst unterschiedliche
Farben eingesetzt, um inhaltliche "Blöcke" (gekennzeichnet mit Block A, Block B und Block C) zu
kennzeichnen.

Block B


gewährt Einblicke in die Investitionstätigkeit des Unternehmens. Abschreibungen (auch zu finden
in der GUV) und Investitionen sind 2 Parameter, die zusammen betrachtet werden sollten. Grob
gesehen lassen sich 3 Fälle im Wechselspiel zwischen Abschreibungen und Investitionen
unterscheiden:

Erläuterung zu Zustand A) In diesem Fall schrumpft ein Unternehmen, da nicht einmal der
Maschinenpark beziehungsweise die Betriebsmittel in vollem Umfang erhalten werden. Der Grund
für einen dauerhaften Schrumpfungsprozess sollte kritisch beleuchtet werden. Schrumpft der Markt,
in dem das Unternehmen tätig ist? Oder schrumpft nur das Unternehmen, während Wettbewerbsunternehmen
ihre Umsätze halten oder sogar steigern können? So oder so kann dieser Zustand eher als ein labiler Zustand
beschrieben werden.

Erläuterung zu Zustand B) Wenn Investitionen und Abschreibungen über einen langen Zeitraum gleich
groß sind, deutet das auf ein Unternehmen hin, welches weder wächst, aber auch nicht schrumpft. Das
Unternehmen behält seinen "status quo". Auch in diesem Fall ist aber ein Blick auf die Wettbewerbsunternehmen
wichtig. Schrumpft der Wettbewerb, so kann dieser Zustand sogar als ein Erfolg gewertet werden, da in
einem schrumpfenden Markt das betrachtete Unternehmen seine Umsätze halten kann.
Verhält sich der Wettbewerb hinsichtlich Investitionen und Abschreibungen in Summe ähnlich/gleich?
Dann wächst der Markt insgesamt nicht mehr und alle in diesem Markt tätigen Unternehmen stehen
qualitativ auf mehr oder weniger einer Stufe.
Oder können Vergleichsunternehmen im gleichen Markt ihre Umsätze steigern? Das würde das zu
betrachtende Unternehmen in ein schlechteres Licht rücken. Hier wäre zu hinterfragen, warum der Wettbewerb
wachsen kann, aber das zu betrachtende Unternehmen nicht.

Erläuterung zu Zustand C) Dieser Zustand kann ein sehr günstiger sein. Vorausgesetzt, ein Unternehmen
erwirtschaftet mit neuen Investitionen beziehungsweise mit seinem Geschäftsmodell seine Kapitalkosten,
dann liegt ein profitabel wachsendes Unternehmen vor, was erst einmal ein sehr erfreulicher Fall ist.
Trotzdem kommt der Anleger auch hier nicht umhin, auf den Wettbewerb zu schauen und Vergleiche zu
ziehen. Wachsen Verlgeichsunternehmen eventuell noch schneller (bei gleicher oder höherer Profitabilität)?
Das könnte dann eventuell ein Hinweise darauf sein, dass sich alle Unternehmen der Branche in einem
Wachstumsmarkt befinden, jedoch das betrachtete Unternehmen diesen Markt nicht anführt.
Oder ist es gar umgekehrt und das betrachtete Unternhemen wächst schneller als der Wettbewerb?
Oder wächst das Unternehmen, der Markt insgesamt aber nicht?
Dies wären sehr günstige Zustände, denn sie deuten darauf hin, dass entweder der Markt insgesamt wächst,
das betrachtete Unternehmen aber noch schneller wächst und demnach sein prozentualer Marktanteil wächst.
Oder aber das Unternehmen schneidet sich in einem stagnierenden Markt immer mehr Marktanteile zu Lasten
der Wettbewerber ab.

Der Begriff des Freien Cashflows (FCF)

3. Grund: Der Freie Cashflow (FCF) ist ein wichtiger Begriff in der Analyse von Bilanzen/Unternehmen.
Formal definiert er sich nach folgender Gleichung:

Freier Cashflow = operativer Cashflow - investiver Cashflow

Der Freie Cashflow sollte über einen langen Zeitraum betrachtet positiv sein. Ist der Freie Cashflow über einen
längeren Zeitraum negativ, so sollte der Anleger dies kritisch hinterfragen. In der fiktiven
Beispielkapitalflussrechnung (siehe oben) lässt sich der Freie Cashflow wie folgt ermitteln:
Der Mittelzufluss aus laufender Geschäftstätigkeit(operativer Cashflow) wird für das Jahr 2007 und 2008
ausgelesen und liegt bei 10,3 Millionen Euro (für 2007) und 14,4 Millionen Euro (für 2008) [Summe aus Block A].
Der Mittelabfluss aus investiver Tätigkeit (investiver Cashflow) wird ebenfalls für die Jahre 2007 und 2008
ausgelesen und ergibt sich zu - 8,1 Millionen Euro (für 2007) und - 5,0 Millionen Euro (für 2008)
[Summe aus Block B].
Wird der Freie Cashflow dann aus diesen Zahlen berechnet, so ergibt sich für 2007 ein Freier Cashflow
von (10,3 Millionen Euro - 8,1 Millionen Euro = 2,2 Millionen Euro) 2,2 Millionen Euro.
Für 2008 beträgt der Freie Cashflow (14,4 Millionen Euro - 5,0 Millionen Euro = 9,4 Millionen Euro)
9,4 Millionen Euro.
In diesem Beispiel ist der Freie Cashflow folglich in jedem der beiden Betrachtungszeiträume
(2007 und 2008) positiv. Dies ist ein gesunder Zustand.

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