Kurs Gewinn Verhältnis (KGV)

 

Das Kurs Gewinn Verhältnis (abgekürzt mit KGV) ist eine häufig verwendete Größe im Zusammenhang
mit der Einschätzung der Preiswürdigkeit von Börsenpapieren wie Aktien, aber auch Anleihen. Das KGV
gibt einen ersten groben Überblick, ob eine Aktie aus fundamentaler Sicht eher als teuer eingestuft
werden kann, oder ob sie billig erscheint. Da sich Gewinnsituationen in Unternehmen (und mit ihnen
auch der Zahlenwert für das KGV) rapide ändern können, sollte der Zahlenwert des KGV wirklich nur als
ein allererster, grober Überblick genutzt werden. Ausserdem können nicht regelmäßige wiederkehrende
Gewinne oder gegebenenfalls auch Verluste die Gewinnsituation in einem oder mehreren Geschäftsjahr(en)
stark verzerren.

Die Formel zur Berechnung des KGV`s lautet:

KGV = Aktienkurs / Gewinn nach Steuern pro Aktie
Formel zur Berechnung des KGV

Für ein Unternehmen, bei dem keine Aktien und/oder anteiligen Gewinne zu ermitteln sind, lässt sich
ein KGV ermitteln zu:

KGV = Marktkapitalisierung / Gewinn (Jahresüberschuss)
Formel zur Berechnung des KGV

Es handelt sich natürlich um den gleichen Gedankenansatz in beiden Formeln. Der Unterschied besteht
nur darin, dass im ersten Fall ein anteiliger Wert mit einem anteiligen Gewinn ins Verhältnis gesetzt wird.
Im zweiten Fall wird der Gesamtwert eines Unternehmens mit dem gesamten Gewinn ins Verhältnis
gesetzt. Selbstverständlich sind die daraus errechneten Größen für das KGV identisch.

Das (Aktien) KGV

Nehmen wir folgendes Beispiel an:

Aktienkurs: 30 Euro
anteiliger Gewinn pro Aktie: 3 Euro

 

 

Aus den Vorgaben des oben aufgeführten Beispiels lässt sich das "Aktien KGV" oder einfacher KGV berechnen.
30 Euro (Aktienkurs) werden durch 3 Euro (anteiliger Gewinn pro Aktie) dividiert.
Das Ergebnis dieser Berechnung ist der Zahlenwert 10. Läge der Gewinn pro Aktie höher, beispielsweise
bei 6 Euro, so wäre das KGV bei 5.
Umgekehrt läge das KGV bei einem anteiligen Gewinn pro Aktie von nur 1,5 Euro bei 20. Grob gesehen
gilt also:
Je niedriger der Wert des KGV, umso günstiger erscheint die Anlageform für einen Anleger.
Je höher der Wert des KGV, umso teurer erscheint die Anlageform für einen Anleger.

Nun sollte der absolute Wert des KGV allerdings nicht ohne jeglichen Vergleich gesehen werden.
Denn neben einer Geldanlage in einer Aktie hat der Anleger auch immer die Möglichkeit, eine
relativ risikolose Anlage zu wählen, bei der zum Kaufzeitpunkt die Zinsen und die Rendite fest stehen.
Eine solche Anlageform wäre zum Beispiel durch eine klassische Anleihe gegeben.

Das Anleihen KGV

Beginnen wir mit der Überlegung, ob sich bei einer Anleihe, also einem Wertpapier mit festgelegter,
jährlicher Zinsausschüttung, ein KGV, also ein Anleihen KGV berechnen lässt.

Beispielrechnung 1:

folgende Situation für Anleger A:

Anlagebetrag: 100.000 Euro
Anlagedauer: 15 Jahre
Zinssatz: 4 % pro Jahr
Zinsen vor Steuern demnach: 4.000 Euro pro Jahr!

 

 

 

Aus dem oben angeführten Beispiel lässt sich durch Zuordnung der Begrifflichkeiten zu obigen Formeln
ein KGV errechnen. Der "Aktienkurs" ist hier die eingesetzte Summe von 100.000 Euro. Der "Gewinn pro
Aktie" sind hier die Zinsen von 4.000 Euro pro Jahr. Das KGV lässt sich folglich ermitteln zu:
100.000 Euro / 4.000 Euro = KGV = 25 (Anleihen KGV)

Beispielrechnung 2:

folgende Situation für Anleger B :

Anlagebetrag: 100.000 Euro
Anlagedauer: 15 Jahre
Zinssatz: 8 % pro Jahr
Zinsen vor Steuern demnach: 8.000 Euro pro Jahr!

 

 

 


Für Anleger B, der offenbar mit gleichem Kapitaleinsatz von 100.000 Euro eine doppelt so gute
Verzinsung erhält, errechnet sich ein KGV zu:
100.000 Euro / 8.000 Euro = KGV = 12,5 (Anleihen KGV)

In der aktuellen (2008) Zinslandschaft wäre vermutlich eine Verzinsung über einen längeren Zeitraum
möglich von 4 % bis 5 % per Annum. Dies wäre folglich aktuell der maximal erzielbare Zinssatz im Bereich einer
relativ sicheren Anlageform. Eine Aktienanlage stellt immer (neben zweifellos vorhandenen Chancen)
ein Risiko dar. Will der Anleger eine Aktienanlage tätigen, so ist der Gedankengang nachvollziehbar, dass
die Aktienanlage über einen längeren Zeitraum mindestens so viel erwirtschaften sollte, wie ein sicheres
Wertpapier. Beispielrechnung 3 (Zinssatz 5 %) ergibt ein KGV von 20 in der aktuellen Zinslandschaft..

Beispielrechnung 3:

folgende Situation für Anleger B :

Anlagebetrag: 100.000 Euro
Anlagedauer: 15 Jahre
Zinssatz: 5 % pro Jahr
Zinsen vor Steuern demnach: 5.000 Euro pro Jahr!

Anleihen KGV = (100.000 Euro / 5.000 Euro) = 20

 

 

 

Ein Anleger, der in eine Aktie investiert, sollte darauf achten, dass er in dem aktuellen Zinsumfeld nicht mehr
bezahlt als ein KGV von 20. [Dies ist eine sehr grobe Aussage, da der Wert des Kurs Gewinn Verhältnisses
auch abhängig ist von der Kapitalstruktur des Unternehmens. Zudem kann sich der Gewinn auf Sicht von
Jahren erhöhen, und dann kann auch ein KGV von über 20 gerechtfertigt sein, da sich eventuell durch
kontinuierliche Gewinnsteigerungen ein KGV von unter 20 ergibt.]
Wichtig an dieser Stelle ist rein theoretisch der Bezug zwischen einem Kurs Gewinn Verhältnis bei Aktien
mit dem Kurs Gewinn Verhältnis bei festverzinslichen und relativ sicheren Anlagen.
Ob ein KGV bei Aktien billig oder teuer erscheint, kann sinnvoll nur beurteilt werden, wenn sich das KGV
der Aktien in das Anleihen KGV der aktuellen Zinslandschaft einfügt. Erst durch Vergleich kann dann
(kontinuierliche Gewinne der Aktie unterstellt) eine Aussage getroffen werden, ob eine Aktienanlage
unter dem Aspekt der Preiswürdigkeit eher günstig oder eher teuer erscheint.

Griffiger argumentiert könnte man auch folgendes schreiben:

Das Anleihen KGV ist ein fundamentaler Grenzwert für ein Unternehmen mit zukünftig stagnierenden Gewinnen!

(gültig nur unter Idealbedingungen, also Eigenkapitalquote 100 % und
Risikoaufschlag des Unternehmens = 0)

 

 

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