Inventur und Inventar

 

Bestimmt sind Ihnen um den Jahresanfang herum schon einmal Anzeigen in Zeitungen oder an
größeren Supermärkten aufgefallen, die wie folgt aussehen können:

"Inventurhilfen für den ... gesucht! Bitte melden Sie sich unter ..."

 

oder

"Aushilfen für die Inventur am ... gesucht!"

 

Dabei werden Aushilfen meist für 1 oder wenige Tage eingestellt, um Warenbestände und auch
sichtbare Vermögensgegenstände, die dem Unternehmen gehören, zu erfassen und zu zählen.
Dies ist ein normaler und wieder kehrender Vorgang, der Inventur genannt wird. Am Ende eines
jeden Geschäftsjahres wird eine Bestandsaufnahme der Vermögenswerte und der Schulden
eines Unternehmens durchgeführt. Da oftmals das Ende des Geschäftsjahres mit dem
Ende des Kalenderjahres zusammen fällt, erscheinen viele der vorgenannten Anzeigen
am Anfang eines jeden Jahres.

Inventur = Vorgang der Bestandsaufnahme aller Vermögenswerte und Schulden

 

Die Bestandsaufnahme selbst, also die Auflistung aller Vermögenswerte und Schulden und
dem sich aus der Differenz zwischen Vermögenswerten und Schulden ergebende Eigenkapital,
wird Inventar genannt. Das Inventar dient als Grundlage zur Erstellung einer Bilanz.
Das Inventar besteht aus 3 Teilen (3 Positionen), nämlich:

1)
Vermögen [A]
2)
Schulden [B]
3)
Eigenkapital [C]

Es gilt, dass sich das Eigenkapital im Inventar aus der Differenz zwischen Vermögen und
Schulden ergibt. Nachfolgende Gleichung illustriert dies noch einmal.

Vermögen - Schulden = Eigenkapital

 


 

Beispielinventarliste

Nachfolgend finden Sie eine Beispielinventarliste einer fiktiven Firma, um einen ersten Eindruck
zu erhalten, wie eine Inventarliste aussehen kann und um sich mit ersten Begriffen der Buchhaltung
zu beschäftigen.

Inventarliste der Firma "Möbelparadies Klaus Mayer e.K." für den 31. Dezember 2007
A: Vermögen
AAAI. Anlagevermögen
AAAAAA1. Grundstücke
260.000
AAAAAA2. Gebäude
AAAAAAAAAAusstellungshalle
110.000
AAAAAAAAAVerwaltungsgebäude
130.000
AAAAAAAAALagergebäude
70.000
310.000
AAAAAA3. Fuhrpark laut Verzeichnis 1
50.000
AAAAAA4. Betriebs- und Geschäftsausstattung laut Verzeichnis 1
74.000
AAAII. Umlaufvermögen
AAAAAA1. Warenvorräte
AAAAAAAAAMöbel laut Verzeichnis 3
930.000
AAAAAAAAAKleinmöbel und Geschenkartikel laut Verzeichnis 4
240.000
1.170.000
AAAAAA2. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
AAAAAAAAAKunde Karl Egon
20.000
AAAAAAAAAKunde Hans Schmitz
5.500
25.500
AAAAAA3. Kassenbestand
10.000
AAAAAA4. Bankguthaben
AAAAAAAAAPostbank Köln
80.000
AAAAAAAAADeutsche Bank Köln
70.000
150.000
Summe des Vermögens  
2.049.500
B: Schulden
   
AAAI. Langfristige Schulden
   
AAAAAA1. Hypothek der Sparkasse Köln
250.000
 
AAAAAA1. Darlehen der Commerzbank Köln
750.000
1.000.000
AAAII. Kurzfristige Schulden
   
AAAAAAVerbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen:    
AAAAAAAAAMüller GmbH Köln
29.500
AAAAAAAAAMaier GmbH Köln
20.000
49.500
Summe der Schulden  
1.049.500
C: Eigenkapital
   
Summe des Vermögens  
2.049.500
- Summe der Schulden  
1.049.500
Eigenkapital  
1.000.000

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie zu erkennen ist, werden die 3 Posten Vermögen, Schulden und Eigenkapital nacheinander
aufgelistet. Das Eigenkapital ergibt sich in der Inventarliste aus der Differenz zwischen Vermögen
und Schulden.
Die einzelnen Auflistungspunkte in der Inventarliste folgen einer festgelegten Reiehnfolge. Sie sind
also nicht beliebig anzusetzen, sondern folgen einem Ordnungsprinzip.
Zur Ordnung der Vermögenspunkte gilt:

Vermögen wird nach Flüssigkeit geordnet!
(Wie schnell lassen sich Vermögensposten in Geld umsetzen?)
Die liquidesten Werte (hier Bankguthaben) stehen ganz unten!

 



Zur Ordnung der Schulden gilt:

Schulden werden nach Fälligkeit geordnet!
Posten mit geringster Laufzeit (hier Verbindlichkeiten...) stehen ganz unten!

 

 


Begriffe der Beispielinventarliste

In der Beispielinventarliste werden einige buchhalterische Begriffe benutzt, die manchem Leser
eventuell noch nicht geläufig sind.
Deshalb wird zu einigen Auflistungspunkten der Beispielinventarliste noch ein wenig mehr erläutert:

1) Anlagevermögen:
Zum Anlagevermögen zählen Posten wie Grundstücke, Gebäude, Fuhrpark und die
Betriebs- und GeschäftsAusstattung (BGA).
Hier werden also Posten aufgelistet, die nicht unmittelbar zur Produktion der Produkte benötigt werden,
aber ohne die eine Produktion nicht möglich ist.
Alle längerfristig eingesetzten beziehungsweise längerfristig benutzten Wirtschaftsgüter werden im
Anlagevermögen aufgelistet. Eine Abgrenzung zum Umlaufvermögen kann wie folgt definiert werden:
Posten im Anlagevermögen werden vom Unternehmen nicht bearbeitet oder weiterverarbeitet um
dann als Vorprodukt oder als Endprodukt verkauft zu werden.

2) Betriebs- und Geschäftsausstattung (BGA):
Die Betriebs- und GeschäftsAusstattung (BGA) umfasst die Dinge, die zum reibungslosen Ablauf
der betrieblichen Produktion (bzw. des Geschäfts des Unternehmens) längerfristig benötigt werden.
Ein Beispiel für eine mögliche Position, die im BGA eingruppiert wird wäre ein Bürotisch, ein Bürostuhl
und ein Firmencomputer. Aber auch Büromaterial und einiges mehr fällt unter die BGA.

3) Fuhrpark:
Zum unternehmenseigenen Fuhrpark gehören natürlich PKW´s, die sich im Firmenbesitz befinden.
Aber auch Nutzfahrzeuge aller Art werden unter dem Posten Fuhrpark aufgelistet beziehungsweise
wertmäßig erfasst.

4) Umlaufvermögen:
Das Umlaufvermögen umfasst auf der einen Seite (im Gegensatz zum Anlagevermögen) alle Güter
und Vermögenswerte, die zur Fertigstellung eines Produkts benötigt werden. Dies können sowohl
Güter sein, die sich ganz oder teilweise im Endprodukt wieder finden als auch Produkte, die für die
Erstellung des Endproduktes notwendig sind, sich dabei aber schnell "verbrauchen".
Aber auch Vermögensposten, die einer schnellen und häufigen Wertveränderung unterworfen sind
(zum Beispiel Kassenbestand, Bankguthaben, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen) werden
unter dem Umlaufvermögen aufgeführt.

5) Forderungen aus Lieferungen und Leistungen:
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen beschreiben Ansprüche des Unternehmens an Dritte.
Ein typischer Fall ist es, dass ein Unternehmen seine Produkte/Dienstleistungen an ein anderes
Unternehmen oder den Endkunden verkauft und den Kunden eine bestimmte Zeit eingeräumt wird,
bis zu der dise Ihrer Zahlungsverpflichtung gegenüber dem Unternehmen nachkommen. Der
vollständige oder anteilige Wert der Ansprüche des Unternehmens an seine Kunden wird dann
unter dem Posten Forderungen aus Lieferungen und Leistungen verbucht (aufgeführt).

6) Kassenbestand oder "Kasse":
Mit dem Kassenbestand ist nicht ein eventuelles Guthaben bei einer Bank gemeint, sondern die
Bargeldbestände, die sich zum Zeitpunkt der Auflistung im Unternehmen befinden.

7) Hypothek:
Eine Hypothek ist meist an ein Grundstück oder Gebäude gebunden. Gegen das Recht auf Nutzung
oder das Recht auf Zwangsvollstreckung (bei Zahlungsverzug) vergibt der Hypothekeninhaber Geld
an den Hypothekenempfänger.

8) Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen:
Während bei den Forderungen aus Lieferungen und Leistungen das Unternehmen als Verkäufer
seiner Produkte Ansprüche an Kunden stellt, ist es bei den Verbindlichkeiten aus Lieferungen und
Leistungen genau umgekehrt.
Hier tritt das Unternehmen selbst als Käufer von Produkten bei anderen Unternehmen auf und muss
folglich selbst bis zu einem festgelegten Zeitpunkt seine Zahlungsverpflichtungen, die sich aus dem
Kauf von Produkten/Dienstleistungen ergeben haben, begleichen. Die Summe der Zahlungsverpflichtungen
wird unter dem Auflistungspunkt Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen in der Inventarliste
beziehungsweise in der Bilanz aufgeführt.