Geschäftsberichte

 

Einmal im Jahr ist jedes börsennotierte Unternehmen angehalten, einen Geschäftsbericht zu
veröffentlichen. Auf Anfrage erhält der potentielle Investor/Privatanleger/Interessierte von den meisten
deutschen, börsennotierten Unternehmen einen Geschäftsbericht per Post zugesandt. Dieser ist
oftmals kostenlos. Einige Unternehmen (meist sehr kleine Unternehmen) verschicken ihren
Geschäftsbericht nur an ihre Aktionäre. Jeder Aktionär einer Aktiengesellschaft (gilt zumindest für deutsche,
börsennotierte Unternehmen) hat das Recht, einen Geschäftsbericht in gedruckter Form zu erhalten.
Viele Geschäftsberichte werden zudem auch für Interessierte auf der jeweiligen Homepage eines
Unternehmens zum kostenlosen Download (oft als PDF-File) bereit gestellt. Auch viele ausländische
Unternehmen (zum Beispiel aus England, Schweiz, Österreich, USA) versenden auf Anfrage ihre
Geschäftsberichte an potentielle Investoren/Privatanleger/Interessierte. Ansprechpartner sind die
Mitarbeiter in den jeweiligen Investor Relations Abteilungen, deren Telefonnummern/E-Mail Adressen
ebenfalls auf der Homepage der jeweiligen Firmen zu finden sind.

 

Inhalt von Geschäftsberichten


Ein Geschäftsbericht einer börsennotierten deutschen oder deutschsprachigen Aktiengesellschaft ist eine
Art Informationsbroschüre für Aktionäre, meist im DIN A 4 Format, in der verschiedene Informationen
enthalten sind bzw. enthalten sein können.

1) Umschlag und Inhaltsverzeichnis:
Viele Geschäftsberichte börsennotierter deutscher Unternehmen beginnen auf ihrer jeweiligen
Umschlagsseite mit einer Tabelle, in der die wichtigsten Kennzahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres
und eventuell früherer Geschäftsjahre aufgeführt werden. Hier und da sieht der Leser von Geschäftsberichten
noch vor dem Inhaltsverzeichnis eine Auflistung der wichtigsten Personen des Unternehmens, also den
Personen von Vorstand und Aufsichtsrat. Dann schliesst sich ein Inhaltsverzeichnis an.

2) Vorwort des Vorstands / Brief an die Aktionäre:
Nahezu jeder Geschäftsbericht beginnt inhaltlich mit einem kurzen Vorwort des Vorstands. Dieser heisst
auch schon mal "Brief an die Aktionäre". Hierin informiert der Vorstand prägnant und sachlich über das
abgelaufene Geschäftsjahr und eventuelle Gewinnausschüttungen. Am Ende schliesst sich ein kurzer
Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr an. Ferner wird den Mitarbeitern, Aktionären und Kunden ein
Dank für Ihre Treue/ Mitarbeit etc. ausgesprochen. Datum und Unterschrift des Vorstands beenden das
Vorwort des Vorstands.

3) Bericht des Aufsichtsrats:
Der Bericht des Aufsichtsrats schliesst sich oftmals unmittelbar an das Vorwort des Vorstands an. Hin
wieder findet sich der Bericht des Aufsichtsrat auch nahezu auf den letzten Seiten des Geschäftsberichts.
Der Aufsichtsrat als Kontroll- und Beratungsgremium des Vorstands erläutert in seinem Bericht, dass er
seiner gesetzlich auferlegten Pflicht der Kontrolle des Vorstands nachgekommen ist. Er nennt zumeist
mindestens die Anzahl der Sitzungen des Aufsichtsrats und die Themen, mit denen er sich im
abgelaufenen Geschäftsjahr beschäftigt hat. Auch Personalentscheidungen wie zum Beispiel die
Verlängerung der Dienstverträge des Vorstands oder eventuelle personelle Veränderungen im Vorstand
werden im Bericht des Aufsichtsrats erfasst.

4) Corporate Governance:
Seit der Veröffentlichung der Corporate Governance bzw. der für Deutschland geltenden "Deutscher Corporate
Governance Kodex" (DCGK) im Jahr 2002, haben viele Unternehmen inzwischen eine Stellungnahme zum
DCGK in ihren Geschäftsbericht integriert. Teilweise ist diese Stellungnahme noch in den Bericht des
Aufsichtsrats integriert. Der Aufsichtsrat des jeweiligen Unternehmens erklärt im Corporate Governance
Bericht, ob und wie weit das Unternehmen den Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex
folgt. Übereinstimmungen mit dem DCGK, aber auch Abweichungen werden explizit genannt.

5) Lagebericht (von AG und Konzern):
In jedem Geschäftsbericht findet sich nach dem Vorwort des Vorstands ein ausführlicher und detaillierter
Lagebericht zu den Vorgängen des abgelaufenen Geschäftsjahres. Oftmals beginnt der Lagebericht mit
den allgemeinen Geschäftsbedingungen und den weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen, um dann
über die Branchenkonjunktur über den Geschäftsverlauf des Unternehmens zu berichten. Der Lagebericht
kann dann die Ertragslage, die Finanzlage und die Vermögenslage des Unternehmens beleuchten und
nimmt im Fall mehrerer Geschäftsfelder noch zu den einzelnen Segmenten Stellung. Dies sind keine
festen Regeln, sondern eher Richtlinien. Die genaue Ausgestaltung des Lageberichts obliegt dem
Unternehmen. Eventuell wird noch Stellung bezogen zu Forschung und Entwicklung, dem Personal und

der Ausbildungssituation im Unternehmen. Bevor der Lagebericht mit den Ereignissen nach Abschluss
des Geschäftsjahres und dem Prognosebericht für das laufende Geschäftsjahr endet, wird zu den
unternehmensspezifischen Risiken Stellung genommen. Der Zeitpunkt der Erstellung des Lageberichts
wird zum Schluss vermerkt.

6) Informationen zur Aktie:
Bei börsennotierten Unternehmen hat es sich eingebürgert, auch der Börsennotiz und der Kursentwicklung
der Aktie ein Kapitel zu widmen. Nicht jedes Unternehmen tut dies. Manchmal sind die Informationen
zur Aktie auch integriert in den Lagebericht. Neben einem allgemeinen Blick auf die Börsenentwicklung
des abgelaufenen Jahres nehmen die Unternehmen sehr oft zum Gewinn pro Aktie, zu einer möglichen
Dividende und zur Entwicklung der Aktie an der Börse Stellung. Sehr oft findet sich auch eine kleine
Tabelle mit interessanten Daten und/oder Kennzahlen für Aktionäre wie dem Eigenkapital pro Aktie,
dem Kurs Gewinn Verhältnis, dem Kurs Cash Flow Verhältnis und/oder der Dividende pro Aktie. Die Daten
werden oftmals in einem Mehrjahresvergleich dargestellt, so dass der Anleger die Entwicklung der
Datenlage des Unternehmens schnell über mehrere Jahre überblicken kann.

7) Informationen zu Produkten des Unternehmens und/oder Standort:
Selten finden sich in Geschäftsberichten weiterführende Informationen zu den Produkten des Unternehmens
und/oder zum Standort des Unternehmens. Vielleicht gibt es in diesem Kapitel noch einige Bilder der
Produkte, der Produktion und/oder einiger Mitarbeiter. All dies sind freiwillige Angaben. Schön,
wenn Firmen sich die Zeit nehmen, dem fachfremden Anleger einen kurzen Einblick in die
Unternehmensprodukte zu geben.

8) Directors Dealings:
Directors Dealings sind meldepflichtige Wertpapiergeschäfte gemäß Wertpapierhandelsgesetz. Dabei
geht es um Käufe und/oder Verkäufe in Aktien der betreffenden Aktiengesellschaft, die von Mitgliedern
des Vorstands, des Aufsichtsrats oder Angehörigen dieser Personen vorgenommen werden. Auch
Aktienkäufe/Aktienverkäufe von Firmen, die mehrheitlich im Beesitz von Personen sind, die dem
Führungsteam der Aktiengesellschaft angehören, werden erfasst. Diese Directors Dealings werden
in den meisten Geschäftsberichten aufgeführt. Dadurch kann sich der Anleger ein Bild davon machen,
wie möglicherweise das Führungsteam den zukünftigen Aktienkurs beurteilt. Denn massive Verkäufe
in Aktien der Gesellschaft können im Einzelfall zwar auf persönlichen Geldbedarf hinweisen. In aller
Regel ist damit aber auch eine aktuelle Einschätzung des Managements zum Aktienkurs gegeben,
wenngleich diese Meinung auch völlig falsch sein kann. Denn auch Manager kennen zwar ihr eigenes
Unternehmen besser als Aussenstehende, sind aber auch keine Hellseher, was den Gesamtmarkt
anbelangt und können auch für ihr Geschäftsfeld, in dem das Unternehmen tätig ist, nur grobe
Einschätzungen abgeben. In Summe sind Directors Dealings meiner Meinung nach eine gute
Zusatzinformation, aber sie sollten nicht unbedingt als Gottes Wort ausgelegt werden.

9) Konzernabschluss bzw. Jahresabschluss (von Konzern und AG):
Der Konzernabschluss bzw. Jahresabschluss des Unternehmens ist eine Pflichtangabe. Es wird
Zahlenmaterial detailliert zur Verfügung gestellt, um einen genauen Einblick in die betriebswirtschaftliche
Situation des Unternehmens zu geben. So gehört denn eine Gewinn und Verlustrechnung (GUV),
eine Bilanz, eventuell ein Anlagenspiegel, ein Eigenkapitalspiegel und eine Cash-Flow Rechnung
(Kapitalflussrechnung) zu den üblichen Angaben eines Unternehmens. Hinter oder vor den Zahlen
stehen Nummern. Zu diesen Nummern (und den zu den Nummern gehörenden Unternehmenszahlen)
nimmt der danach foglende ausführliche Anhang gesondert und sehr detailliert Stellung. Handelt es sich
um einen Konzern mit vielleicht einigen Auslandstochterunternehmen, so findet sich neben der AG Bilanz,
der AG Gewinn und Verlustrechnung etc. vor allem auch die für Aktionäre wichtige Konzernbilanz, die
Konzern Gewinn und Verlustrechnung etc. Massgeblich bei Vorhandensein eines Konzernabschlusses
für den Aktionär ist nahezu immer das Zahlenmaterial des Konzernabschlusses. Mir ist kein Fall bekannt,
in dem jemals das Zahlenmaterial der AG massgeblich ist oder war.

10) Bestätigungsvermerk:
Der Geschäftsbericht schliesst mit einem so genannten Bestätigungsvermerk. Dieser wird von
Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erstellt und durch die Unterschrift von Wirtschaftsprüfern als richtig
vermerkt. Zuvor wird der Geschäftsbericht und das Datenmaterial durch den Wirtschaftsprüfer genau
überprüft. Dem Wirtschaftsprüfer stehen in der Regel weiterführende Einblicke in das Unternehmen
zur Verfügung. Liegt kein Grund zu einer Beanstandung des Geschäftsberichts vor, so wird dies im
Bestätigungsvermerk aufgeführt. Der Bestätigungsvermerk trägt natürlich ein Datum, die Angabe
darüber, welche Wirtschaftsprüfungsgesellschaft den Geschäftsbericht geprüft hat und zu dem den
oder die Namen der Wirtschaftsprüfer.

 

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