Eigenkapitalrendite

 

Vorwort zu Renditekennziffern: Ich habe den subjektiven Eindruck, dass in der Betriebswirtschaft teilweise ein gewisses durcheinander herrscht, wenn es darum geht, Renditekennziffern exakt zu definieren. Manchmal kommt es mir vor, dass 10 Lehrbücher auch 10 unterschiedliche Versionen von Renditekennziffern bereit halten. Es mag daher sein, dass Sie die ein oder andere hier oder im Folgenden angesprochene Renditekennziffer anders definiert sehen!? Von elementarer Bedeutung ist dies jedoch aus meiner Sicht nicht. Wichtiger ist es, zu erkennen, mit welchem Einsatz von "Vermögen" welcher Gewinn erwirtschaftet wird und aus dem Vergleich dann die richtigen Schlüssen zu ziehen.

 

Die Eigenkapitalrendite ist eine Renditekennziffer. Im englischen Sprachgebrauch wird für die Eigenkapitalrendite
auch der Begriff "ROE" verwendet. ROE steht für Return on Equity. Im chronologischen Ablauf des Menupunkts
"Fundamentales" ist die Eigenkapitalrendite die erste Renditeziffer. Anders als beim KGV und beim KBV
wird zum ersten Mal ein Zusammenhang hergestellt zwischen dem Gewinn eines Unternehmens und
einer Bilanzkennziffer. Im Fall der Eigenkapitalrendite ist dies der Gewinn in Relation zum ausgewiesenen
Eigenkapital. Demnach lautet die Formel für die Eigenkapitalrendite:

Eigenkapitalrendite = (Jahresüberschuss / gemitteltes Eigenkapital) * 100

 

Beispielrechnung zur Ermittlung der Eigenkapitalrendite:

1. Schritt: Aus der Konzern Gewinn und Verlustrechnung (Geschäftsbericht) wird der Jahresüberschuss heraus gelesen. Wo dieser zu finden ist, siehe auch Menupunkt "GUV & Bilanz".
Für unsere Berechnung setzen wir den Jahresüberschuss willkürlich mit 10,0 Millionen Euro an.

2. Schritt: Aus der Konzernbilanz, genauer der Passivseite der Bilanz, werden die Zahlenwerte für das Eigenkapital des aktuellen Jahres und des Vorjahres herausgelesen. Wo diese zu finden sind, dazu
siehe ebenfalls den Menupunkt "GUV & Bilanz". Für unsere Berechnungen setzen wir das aktuelle Eigenkapital willkürlich mit 60 Millionen fest. Um das gemittelte Eigenkapital zu berechnen, muss auch der Wert für das Eigenkapital aus dem Vorjahr heraus gelesen werden. Dieser sei 50 Millionen gewesen.

3. Schritt: Nun wird das gemittelte Eigenkapital berechnet. Statt gemitteltes Eigenkapital lässt sich auch der Begriff "Mittelwert" gebrauchen.
Berechnung: (60 Millionen Euro + 50 Millionen Euro) / 2 = 55 Millionen Euro

4. Schritt: Einsetzen der Zahlenwerte in Formel für Eigenkapitalrendite liefert:
Eigenkapitalrendite = (10 Millionen Euro / 55 Millionen Euro) * 100 = 18,18 %

Die Eigenkapitalrendite des in der Beispielrechnung dargestellten Unternehmens liegt bei 18,18 %!!!

Grundsätzlich gilt im Zusammenhang mit der Eigenkapitalrendite: Je höher der Zahlenwert für die
Eigenkapitalrendite, umso besser für den Aktionär und dessen langfristige Chancen, aus seinem
Aktieninvestment eine Wertsteigerung zu erfahren. Dazu empfehle ich auch den Menupunkt "Sparen" durch zu
lesen.
Nun hat aber die Eigenkapitalrendite praktisch einige Nachteile.

1. Nachteil der Eigenkapitalrendite:
Die Unternehmen können relativ frei entscheiden, wie hoch der Anteil von Eigenkapital in ihrer Bilanz sein soll.
Ein Unternehmen mit eher schwachen Margen kann zu einer sehr guten Eigenkapitalrendite gelangen, in dem
es einfach nahezu sein gesamtes Eigenkapital aus dem Unternehmen heraus zieht. Bliebe dann noch ein
Gewinn beim Jahresüberschuss übrig, würde der Zahlenwert für die Eigenkapitalrendite unglaublich groß
werden, da das Eigenkapital in der Formel für die Eigenkapitalrendite im Nenner steht und mathematisch gesehen
der Zahlenwert für das Eigenkapital theoretisch unendlich groß wird, wenn der Nenner unendlich klein werden würde.
So könnte ein Unternehmen mit eher schwachen Margen und einer relativ geringen Eigenkapitalrendite
durch eine weitere Schwächung (Entzug von Eigenkapital) zu Traumrenditen gelangen. Der Anleger sollte
die Eigenkapitalrendite folglich immer dann kritisch würdigen, wenn ein Unternehmen nur über eine sehr geringe
Eigenkapitalquote verfügt.

2. Nachteil der Eigenkapitalrendite:
Es gibt Unternehmen, die mit einer sehr hohen Eigenkapitalquote arbeiten, beispielsweise einer Eigenkapitalquote
von 80 %. Hat dieses Unternehmen zudem noch eine dauerhaft gute Gewinnrendite, so handelt es sich
per se vermutlich um ein gutes Unternehmen. Eine hohe Eigenkapitalquote bzw. ein hohes Eigenkapital bewirkt
aber mathematisch wiederum, dass der Nenner in der Formel für die Eigenkapitalrendite größer wird. Weil der
Nenner größer wird, ist die Eigenkapitalrendite bei solide finanzierten Unternehmen tendenziell niedriger.
Obwohl ein Unternehmen (bei sonst gleichem Zahlenwerk) mehr Eigenkapital besitzt als ein Vergleichsunternehmen
mit niedrigerem Eigenkapital, ist die Rendite (gemeint ist natürlich die Eigenkapitalrendite) geringer. Das
weitaus solidere Unternehmen mit höherer Eigenkapitalquote wird im Eigenkapitalrenditemodell für seine
höchst solide Eigenkapitalausstattung benachteiligt.


 

Übrigens: Warren Buffett (siehe auch Menupunkt "Superinvestoren") fordert bei der Eigenkapitalrendite eines
Unternehmens mindestens 15 %.

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