Eigenkapitalquote

Im Menupunkt Eigenkapital/Buchwert wird ausführlich auf den absoluten Wert des Eigenkapitals (Buchwert)
eingegangen. Doch natürlich ist nicht nur die absolute Größe von Interesse, sondern auch das Verhältnis
von Eigenkapital zu Gesamtkapital (Bilanzsumme) eines Unternehmens. Dementsprechend lässt sich
die Eigenkapitalquote auch wie folgt ermitteln:

Eigenkapitalquote = (Eigenkapital / Bilanzsumme) * 100

Beispielrechnung:

Das Eigenkapital eines Unternehmens beträgt zum Zeitpunkt der Betrachtung 1 Million Euro.
Die Bilanzsumme beträgt 2,049 Millionen Euro .
(Beispiel ist aus Menupunkt GUV & Bilanz entnommen.)

Eigenkapitalquote = (1 Million Euro / 2,049 Millionen Euro) * 100

» Eigenkapitalquote = 48,8 = 48,8 %

 

 

 

 

 

Die Eigenkapitalquote wird (wie auch in der Beispielrechnung gezeigt) in Prozent angezeigt. Im angeführten
Beispiel beträgt die Eigenkapitalquote also 48,8 Prozent. Grundsätzlich gilt (andere Faktoren bleiben
unberücksichtigt
), dass es aus Sicherheitsgründen für den Anleger besser ist, sich an Unternehmen mit
einer hohen Eigenkapitalquote zu beteiligen, wenngleich das sicher nicht das einzige Argument ist. Mehr noch:
Unternehmen, die eine Gewinnmarge erwirtschaften, die die Kapitalkosten nicht deckt (siehe auch Menupunkt
Eigenkapital), weisen oft eine gute Eigenkapitalquote auf. Das liegt aber daran, dass das Unternehmensgeschäft
nicht mit einem hohen Anteil an Fremdkapital geführt werden kann, einfach, weil das Geschäft nicht genug
einbringt, um die Kreditkosten zu erwirtschaften. Hier muss der Anleger also genau hinschauen, warum das
Eigenkapital eventuell sehr hoch ist. Ist es ein Zeichen eines gut geführten Unternehmens oder ein Zeichen
von Margenschwäche.

 


Eigenkapitalquoten - Vergleich

Die Aussage, ob ein Unternehmen eher eine hohe Eigenkapitalquote besitzt oder eine niedrige, ist eine
Aussage , die meiner Meinung nach nicht punktgenau festgelegt werden kann. Vielmehr sind die Bandbreiten,
ab wann eine Eigenkapitalquote als niedrig, durchschnittlich oder hoch angesehen werden kann, ein Stück
weit eigene Interprätation. Meine eigene Interprätation von Eigenkapitalquoten sieht wie folgt aus:

Eigenkapitalquote
Einschätzung
0 % bis 20 %
unterdurchschnittlich
20 % bis 35 %
durchschnittlich
35 % bis 45 %
gut
über 45 %
sehr gut

Die obige Einschätzung von Eigenkapitalquoten gilt für "normale" Unternehmen. Im Fall von Banken und
Versicherungen muss eine andere Einschätzung zu Eigenkapitalquoten abgegeben werden (nicht speziell
für jede Bank oder jede Versicherung, aber generell. Im Speziellen gibt es zum Beispiel durchaus Unternehmen,
die den Namen "Bank" im Schriftzug tragen und dennoch Eigenkapitalquoten von 50 % oder mehr aufweisen
können, namentlich zum Beispiel Wertpapierhandelsbanken).
Natürlich ist auch hier die Einschätzung der Eigenkapitalquoten von Banken/Versicherungen wieder ein Stück weit
eigene und daher subjektive Einschätzung:

Eigenkapitalquotenvergleich von Banken - Versicherungen - Rückversicherungen:

Eigenkapitalquote
Einschätzung
0 % bis 6 %
unterdurchschnittlich
6 % bis 9 %
durchschnittlich
über 9 %
gut bis sehr gut

Der Grund für die Unterschiede hinsichtlich der Eigenkapitalquote zwischen "normalen" produzierenden
Unternehmen auf der einen Seite und Banken - Versicherungen - Rückversicherungen auf der anderen
Seite ergibt sich durch den unterschiedlichen Geschäftsansatz und die damit verbundenen buchhalterischen
Konsequenzen.
Ein "normal" produzierendes Unternehmen erstellt ein Produkt und/oder eine Dienstleistung und verkauft diese
an Dritte. Dritte können sowohl Unternehmen als auch Regierungsbehörden oder Privatkunden sein.
Ist ein Produkt oder eine Dienstleistung verkauft, wird eine Rechnung gestellt und innerhalb einer
angemessenen Frist begleicht der Kunde seine Rechnung. Temporär wird das verkaufte Produkt (bzw. die
verkaufte Dienstleistung) noch als Forderungen aus Lieferungen und Leistungen auf der Aktivseite der
der Bilanz des Unternehmens geführt. Letztlich wird die Forderung aber beglichen oder abgeschrieben und
der Verkauf fliesst schliesslich über den Umsatz in die Gewinn - und Verlustrechnung (GUV) ein.
Ganz anders verhält es sich bei Banken - Versicherungen - Rückversicherungen:
Banken - Versicherungen - Rückversicherungen verleihen oder verwalten Geld oder bieten Finanzprodukte
jeglicher Art an. Denken wir an das klassische Bankgeschäft. Entweder trägt ein Kunde Geld zu einer Bank
mit dem Ziel, SEIN Geld zu vermehren oder er LEIHT sich von der Bank Geld zu einem bestimmten Zinssatz.
Entweder nimmt die Bank folglich Geld des Kunden entgegen. Der Kunde bleibt aber nach wie vor Eigentümer
des Geldes. Die Bank muss aber die Gelder des Kunden in ihre Bilanz aufnehmen. So lange, bis der Kunde
sein Geld wieder abzieht. Dadurch erhöht sich die Bilanzsumme der Bank. Das gleiche Prinzip findet statt,
wenn die Bank Geld verleiht. Geld der Bank geht ncht in den Besitz des Kunden (Kreditnehmer) über, sondern
er kann nur über einen bestimmten Zeitraum über die Kreditsumme verfügen und muss dafür Zinsen zahlen.
Kredite (zum Beispiel Baukredite) können durchaus über 10 Jahre, 15 Jahre oder gar 30 Jahre lang laufen.
Das Kreditgeschäft ist während dieser Zeit buchhalterisch für die Bank nicht abzuschliessen, so wie im zuvor
beschriebenen Fall von "normal" produzierenden Unternehmen. Und genau in diesem speziellen Geschäft
liegt der Grund für die Unterschiedlichkeit von Eigenkapitalquoten begründet.

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