Beteiligungsgesellschaft(en)

"Unternehmenssammler"

 

Wie der Name bereits ausdrückt, sind Beteiligungsgesellschaften an anderen Unternehmen finanziell beteiligt.
Sehr oft wird dabei eine finanzielle Beteiligung angestrebt, die 50 % aller Anteile (Aktien, GmbH - Anteile etc.) überteigt,
so dass auch operativ, durch Neubesetzung von Aufsichtsrat und eventuell Vorstand, auf die Beteiligungsunternehmen
eingewirkt werden kann. Die Beteiligungsgesellschaft selbt, egal ob börsennotiert oder nicht, fungiert dabei zumeist
nur als Holding, also als Dachgesellschaft, die selbst kein operatives Geschäft besitzt.
Ist eine Beteiligungsgesellschaft börsennotiert, so hat der Anleger über Geschäftsberichte Zugriff auf wichtige Finanzdaten
wie zum Beispiel die Konzernbilanz oder die Konzern GUV. Doch oftmals ist es so, dass die Daten der Unternehmen,
an der die Beteiligungsgesellschaft anteilig beteiligt ist, nicht oder nur ansatzweise bekannt gegeben werden.
Zumindest dann nicht, wenn die Unternehmen, an denen Anteile gehalten werden, nicht auch selbst an der Börse notiert werden.
Das heisst für den Anleger, dass eine Beteiligungsgesellschaft, die beispielsweise eine sehr hohe Eigenkapitalquote
von 90 % aufweist, auf den ersten Blick sehr gesund aussehen kann. Wenn aber gleichzeitig die Unternehmen,
an denen die Beteiligungsgesellschaft beteiligt ist, eine Eigenkapitalquote von vielleicht nur 5 % aufweisen oder
gar einen negativen Buchwert besitzen, relativiert sich die auf der ersten Ebene scheinbare Sicherheit wieder
etwas. Dies sollte der Anleger bedenken. Deshalb, vor allem aber wegen dieser informativen "Black Box" ist es zumeist so,
dass viele Beteiligungsgesellschaften eher etwas unter ihrem ausgewiesenen Buchwert notieren. Nicht immer und nicht in
jedem Börsenumfeld, aber oft.
Doch die Branche der Beteiligungsgesellschaften ist breit gefächert. Nachfolgend werden einige Formen der
Beteiligungsgesellschaften exemplarisch aufgezeigt.


Arten von Beteiligungsgesellschaften

1) Die "Unternehmenssammler" unter den Beteiligungsgesellschaften
Die Unternehmenssammler unter den Beteiligungsgesellschaften haben sich eher eine Politik der ruhigen Hand
auf die Fahne geschrieben. Mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Kapital beteiligen sie sich finanziell an anderen
Unternehmen, und geben diese finanzielle Beteiligung, und damit die von ihnen erworbenen Unternehmensanteile,
kaum noch aus der Hand. Diese Unternehmen halten an den beteiligten Unternehmen oftmals einen signifikanten
Anteil (meist über 50 %), der es ihnen ermöglicht, auch operativ die Führung an den beteiligten Unternehmen zu
übernehmen. Sei es durch Stellung des Vorstands (oder einzelnen Vorstandsmitgliedern) oder aber durch Stellung
des Aufsichtsrats (oder einzelnen Aufsichtsratsmitgliedern). Der Wert der Beteiligungsgesellschaften entspricht
logisch gesehen dem aktuellen Wert aller Unternehmen, an dem die Beteiligungsgesellschaft Anteile besitzt abzüglich
der Schulden, dass die Beteiligungsgesellschaft aufweist. Doch kann der aktuelle Wert eines Unternehmens nicht immer
bestimmt werden. Nämlich dann nicht, wenn die Unternehmen selbst nicht börsennotiert sind. Und auch dann nicht,
wenn die Unternehmen, an denen die Beteiligungsgesellschaft Anteile besitzt, nicht nach IFRS bilanzieren, sondern
vielleicht nach HGB. Dann können nämlich in den Bilanzen der Unternehmen stille Reserven oder stille Lasten
schlummern, die ein Aussenstehender kaum erfassen kann. Die Frage der Bilanzierung trifft auch auf die
Beteiligungsgesellschaft selbst zu. Denn auch hier können nach HGB stille Reserven oder stille Lasten in der Bilanz
vorhanden sein. Der Preis (beziehungsweise der Wert), den einer solchen Beteiligungsgesellschaft zugestanden werden
kann, sollte sich grob am Eigenkapital der Beteiligungsgesellschaft orientieren. Bei Beteiligungsgesellschaften
wird anstelle des Eigenkapitals oder Buchwert auch der Ausdruck NAV (Net Asset Value) benutzt.
Eine grobe Orientierung am NAV erscheint mir bei diesem Typ von Beteiligungsgesellschaft sinnvoll. Dazu sollte
der Anleger die vergangene Leistung des Managements kritisch würdigen. Manager, die den Wert der Beteiligungsgesellschaft
dauerhaft durch interne Leistungen schneller steigern konnten, als der Marktsurchschnitt, verdienen einen Bonus
auf den NAV. Manager, die in der Vergangenheit den Wert nur unterdurchschnittlich steigern konnten, verdienen einen
Abschlag auf den NAV.
Abraten würde ich von Käufen von Beteiligungsgesellschaften, deren Management (Vorstand) den Wert Ihrer Aktionäre
langfristig und dauerhaft vermindert haben. Diese Vorstände können es nicht oder wollen es nicht. Kein gutes Investment
für einen langfristig orientierten Investor.

2) Die reinen "Finanzbeteiligungsgesellschaften"
Diese Beteiligungsgesellschaften unterscheiden sich von den oben genannten Beteiligungsgesellschaften meist
durch den Anteil an einem Unternehmen, an dem sich die Beteiligungsgesellschaft beteiligt. So liegt dieser Anteil
oftmals jenseits von echten Möglichkeiten, auf die operativen Entscheidungen der beteiligten Unternehmen Einfluss
zu nehmen. Ein Anteil kann zum Beispiel bei 3 % liegen oder auch bei 10 %. In dieser Größenordnung sind
die beteiligten Unternehmen operativ nicht gut zu kontrollieren. Diesen "Finanzbeteiligungsgesellschaften" geht es
meist nur um eine Steigerung des Wertes der Unternehmen, an denen sich die Beteiligungsgesellschaft beteiligt hat.
Daher sind diese "Finanzbeteiligungsgesellschaften" oftmals auch nur an börsennotierten Unternehmen beteiligt.
Denn es macht kaum Sinn, an einer nicht börsennotierten Aktiengesellschaft oder einer GmbH einen Anteil von vielleicht
2 % zu erwerben, und keine Kontroll- und Einflussmöglichkeiten auf das Unternehmen zu haben. Bei einem
potentiellem Verkauf an der nicht börsennotierten Aktiengesellschaft oder der GmbH dürfte die Suche nach einem
Käufer sehr schwierig werden.
Auch bei diesem Typ Beteiligungsgesellschaft erscheint es mir sinnvoll, den fairen Unternehmenswert am NAV
(Net Asset Value) auszurichten. Oftmals ist es ja sogar so, dass der Investor die einzelnen Beteiligungen taggenau
und wertgenau (weil börsennotiert) aufaddieren kann. Der Wert der Beteiligungen abzüglich der Schulden der
Beteiligungsgesellschaft sollte eine grobe Annäherung an den Unternehmenswert liefern können. Ein Bonus sollte
dann gewährt werden, wenn das Management der Beteiligungsgesellschaft über einen langen Zeitraum sehr gute
Arbeit geleistet hat und den Wert der Beteiligungsgesellschaft intern überproportional steigern konnte. Denn dann
beteiligen Sie sich als Investor nicht nur an den Unternehmen, an denen die Beteiligungsgesellschaft Anteile besitzt,
sondern auch und insbesondere an den Köpfen, die diese guten Ergebnisse erreicht haben.
Umgekehrt sollten unterdurchschnittliche Ergebnisse über einen langen Zeitraum wie ein Signal wirken, dass diese
Köpfe (Vorstand) ihr Handwerk nicht verstehen. Oder aber Sie verstehen ihr Handwerk, aber nicht zu Gunsten der
Allgemeinheit (Summe aller Aktionäre), sondern zu ihrem persönlichen Nutzen (eigene Bereicherung auf Kosten der
Aktionäre).
Als Kleinanleger sollte man akzeptieren, dass diese Gesellschaften durchaus deutlich unter NAV notieren können,
ohne dass dies von der Börse falsch eingeschätzt wird.
Sollte die Beteiligungsgesellschaft deutlich unter NAV notieren und es keinen beherrschenden Aktionär der
Beteiligungsgesellschaft geben, so bietet sich als Großaktionär eventuell die Möglichkeit, dass Unternehmen
durch massive Aktienkäufe "anzugreifen", über die Aktienmehrheit den Aufsichtsrat und den Vorstand auszuwechseln
und mit einer richtigen Strategie und ehrlichen Absichten die Differenz zwischen NAV und dem Wert aller Beteiligungen
für alle verbliebenen Aktionäre zu heben.


3) Beteiligungsgesellschaften mit dem Fokus auf besondere Marktsegmente
Diese Beteiligungsgesellschaften haben einen ganz bestimmten Fokus definiert, in dem Sie nach Beteiligungsmöglichkeiten
suchen. Dies kann zum Beispiel eine beestimmte Anlageregion sein (zum Beispiel Osteuropa), die eine Beteiligungsgesellschaft
abzudecken versucht.
Oder es können spezielle Marksegmente sein (zum Beispiel Unternehmen, die kurz vor der Insolvenz stehen).