Einschätzungen zum Börsenjahr 2009

 


(30. Dezember 2009 - DAX bei rund 5957 Punkten - Dow Jones bei rund 10.530 Punkten (circa 17 Uhr 40 MEZ) -
Wechselkursverhältnis Euro / US-$ bei circa 1,4497:
Nun hat der DAX kurz vor Jahresende doch noch im Verlauf die 6.000 Punkte Marke geknackt. Schlussstand
und damit Jahresschlussstand des DAX im verkürzten Handel bis 14 Uhr MEZ war 5957,43 Punkte.
Einen guten Rutsch ins neue Jahr allen Lesern!


(19. Dezember 2009 - DAX bei rund 5831 Punkten - Dow Jones bei rund 10.328 Punkten -
Wechselkursverhältnis Euro / US-$ bei circa 1,434:

Das Jahr und das Börsenjahr neigt sich dem Ende zu. Ich wünsche allen Lesern ein frohes und besinnliches
Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in das Jahr 2010. Noch zwei kurze und allgemeine Gedanken zum
Jahreswechsel im Hinblick auf die Börse:
1) Denken Sie daran, dass die Gewinner eines Börsenjahres oftmals nicht die Gewinner des folgenden
Börsenjahres sind, genau wie die Verlierer des einen Börsenjahres nicht notwendigerweise auch zu den
Verlierern des neuen Börsenjahres gehören.
2) Oftmals, natürlich nicht immer, ist zu beobachten, dass gerade zu Beginn des neuen Börsenjahres
die Aktien von kleineren, börsennotierten Aktiengesellschaften (Nebenwerten) eine Outperformance zeigen.


(13. Dezember 2009 - DAX bei rund 5756 Punkten - Dow Jones bei rund 10.471 Punkten -
Wechselkursverhältnis Euro / US-$ bei circa 1,462:

Obwohl an der Börse immer die Zukunft gehandelt wird, und diese bekanntlich nicht exakt vorhersehbar ist,
nehmen meine grundsätzlichen Zweifel an einer weiteren, schnellen Aufschwungbewegung eher etwas zu.
Die derzeitigen Aktienkurse und Bewertungen, die nun schon wieder die heute zu erwartenden Gewinne des
Jahres 2010 eingearbeitet haben, gehen im Großen und Ganzen weitgehend in Ordnung, wenn der Aufschwung
auch über das Jahr 2010 hinaus trägt und sich in 2011 und 2012 die Gewinne der Unternehmen weiter steigern
lassen. Aber wissen wir das heute mit Sicherheit?
Wenn es so kommt, kann der Anleger fundamental in der Breite gesehen auch etwas abwarten und hat dann
vermutlich auch im Jahr 2010 noch die Möglichkeit, bei sich möglicherweise weiter legender Unsicherheit
bezüglich der Nachhaltigkeit des Aufschwungs, in Aktien zu investieren. Natürlich gibt es nach wie vor eine
Reihe von Aktien/Unternehmen, die nicht zu teuer sind beziehungsweise die ein echtes Schnäppchen
darstellen. Aber für ein durchschnittliches Unternehmen aus dem DAX zahlt der Anleger heute etwas mehr
als es rein nach den vorliegenden Zahlen wert zu sein scheint und um die Kurse doch noch zu rechtfertigen,
müssen die erwarteten Gewinne des Jahres 2010 und darüber hinaus herhalten. Viel Raum für böse
Überraschungen, meiner Meinung nach. Das sah in diesem Jahr auch schon mal ganz anders aus. Im März/April
war es genau umgekehrt. Der Anleger erwartete das Ende der Welt und dementsprechend billig waren Aktien
dann auch. Die Wahrscheinlichkeit war sehr hoch, dass ein geduldiger Anleger einen guten Gewinn machen
würde. Heute weiss ich es derzeit nicht genau. Es kann gut gehen und eine Anlage in Aktien jetzt kann richtig
sein. Aber es kann auch schief gehen und schlechte Nachrichten finden zunehmend Gehör an der Börse.
Schlechte Nachrichten wie in der abgelaufenen Zeit, in der Griechenland und Spanien schon wieder Sorgen
bereiten im Hinblick auf die Rückzahlungsfähigkeit ihrer Schulden. Sollten derartige Krisen zunehmen oder
die Weltwirtschaft entgegen den derzeitg mehrheitlichen Erwartungen der Marktteilnehmer wieder in einen
Abwärtssog geraten, muss auch an der Börse schnell neu gerechnet werden. Unsicherheit über die
weitere Entwicklung an den Börsen (von billig erscheinenden Ausnahmeaktien mal abgesehen) überwiegt
derzeit bei mir. Geniessen Sie die Vorweihnachtszeit.


(27. November 2009 - DAX bei rund 5760 Punkten gegen 17 Uhr MEZ - Dow Jones bei rund 10.340 Punkten
gegen 17 Uhr MEZ - Wechselkursverhältnis Euro / US-$ bei circa 1,498:

Kurz, hart und notwendig, so durchlebten die Börsianer gerade in dieser Woche eine Korrektur, die im DAX
per heute Morgen bis fast 5.500 Punkte herunter ragte. Um diese aus meiner Sicht notwendige Korrektur zu
rechtfertigen, dient dann auch schon mal der berühmte Sack Reis, der diesmal nicht in China, sondern in
Dubai umgefallen ist.
Viel Neues gibt es seit meinem letzten Kommentar meiner Meinung nach nicht zu vermelden, nur dass wir
inzwischen wieder etwas günstigere Aktienkurse vorfinden und dass sich die Zahl derer, die fest mit einem
DAX von über 6.000 Punkten bis Jahresende rechnen, wieder vermindert hat. Und Beides ist gut für die Börse.
Obwohl es realistisch betrachtet wohl noch zu früh ist, um die Auswirkungen der jüngsten Krise in Dubai zu
beurteilen, sieht im Moment für mich wieder alles nach leicht steigenden Aktienkursen aus. Nach wie vor ist
Selektion Trumpf. Vielleicht ist der ein oder andere Titel im DAX fair bewertet oder sogar ambitioniert bewertet,
aber der Kurszettel, gerade auch im Bereich der kleineren Werte und der Nebenwerte bietet dem langfristig
orientiertem Anleger noch eine Fülle von exzellenten Gelegenheiten. Im DAX erhalten Sie vielleicht die ein oder
andere Aktie, die vielleicht als Zykliker um den Buchwert herum notiert, aber Verluste generiert. Im
Nebenwertebereich gibt es Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote von über 70 %, Gewinnen selbst in 2008,
die ihre Kapitalkosten erwirtschaften und unter Buchwert notieren und in 2010 mit steigenden Gewinnen rechnen.
Das heisst auf deutsch: Sehr hohe Chancen bei vergleichsweise geringstem Risiko. Vergleichen lohnt auch am
Aktienmarkt, nicht nur in der Werbung und Geld für Investitionen kann auch der Anleger nur einmal ausgeben!
Entweder so...oder so!


(19. November 2009 - DAX bei rund 5760 Punkten im Verlauf - Dow Jones bei rund 10.426 Punkten
(Schlusskurs vom 18. November 2009) Wechselkursverhältnis Euro / US-$ bei circa 1,487:

Als ich in 2007 auf den Gesamtmarkt geblickt habe, war meine Einschätzung die, dass nahezu alle Aktien
ausreichend bewertet erschienen und nur einige wenige Aktien eine leichte Unterbewertung aufgewiesen
haben. Wir wissen heute, was dann in 2008 folgte.
Auch heute sind einige Aktien (zum Beispiel aus dem DAX) vor dem Hintergrund der erwarteten Gewinne
der Jahre 2009 und 2010 doch eher ambitioniert bewertet. Dies gilt sowohl in Bezug auf die erwarteten
Gewinne (Renditesicht), als auch in Bezug auf die Verhältnisse von Marktkapitalisierung zu Eigenkapital
(Buchwert). Aus der Bewertungssicht ist in unmittelbarer Zukunft aus meiner Sicht also eher Vorsicht angebracht,
was den breiten Aktienmarkt anbelangt, obwohl der sich der Markt (zum Beispiel DAX und Dow Jones) seit
meinem letzten Kommentar wieder deutlich erholt hat.
Notenbanken beginnen damit, dem Aktienmarkt wieder etwas Liquidität zu entziehen, allerdings zunächst
über andere Maßnahmen, als über Zinssenkungen. Viele Unternehmen haben die Zeit des billigen Geldes
genutzt, um neue Gelder einzunehmen (zum Beispiel über Kapitalerhöhungen) und damit ihre Kapitalbasis
gestärkt.
Die (Aktien-)Welt scheint also wieder weit mehr in Ordnung, als dies vor einigen Monaten der Fall war und
die realwirtschaftliche Entwicklung ist ebenfalls bis dato auf dem Weg der Erholung. Eine Erholung, die lange
andauern kann, wenn sich bekannte (Arbeitsmarkt, hohe Verschuldung) oder unbekannte Risiken nicht
negativ auf die Realwirtschaft auswirken. Von daher ist die Aussage, dass wir vermutlich vor einer langen
Zeit steigender Aktienkurse auf breiter Basis stehen, nicht ganz von der Hand zu weisen. Aber es kann auch
bedeuten, dass wir noch eine längere Zeit an der Börse durchleben müssen, bevor die Kurse auf breiter Front
weiter ansteigen können. Eine Phase, die vielleicht von deutlicheren Rücksetzern durchzogen sein könnte,
zumindest aber von einer längeren Seitwärtsbewegung. Aus dem Grund der positiven Markterwartung,
der Lücke zwischen Aktienbewertungen und im Moment zu rechtfertigenden Aktienkursen, drängt sich ein
Investment in den breiten Aktienmarkt in Deutschland und/oder in den USA nicht unbedingt mehr zwingend
auf, wenn die angestrebte Haltedauer von Aktien bei circa einem Jahr oder darunter liegen sollte. Bei einem
deutlich längerem Anlagehorizont ist eine Investition in den breiten Aktienmarkt vermutlich nicht falsch.
Bei all dem Vorgenannten gibt es aber auch einen deutlichen Unterschied zu den Eingangs erwähnten
Verhältnissen am Aktienmarkt des Jahres 2007.
Neben der Tatsache, dass wir momentan eher am Anfang eines wirtschaftlichen Aufschwungs stehen, ist
es vor allem die Tatsache, dass der Aktienmarkt jenseits des breiten Marktes immer noch erhebliche Chancen
aufweist in einzelnen Aktien, die sich noch lange nicht in Richtung der Kurse von Ende 2007 erholt haben.
Mehr noch: Es gibt Aktien, die erheblich unter Ihrem Buchwert notieren und gleichzeitig Gewinne schreiben.
Gewinne, die selbst im Krisenjahr 2008 noch so hoch sind, dass die Kapitalkosten erwirtschaftet werden,
und sich durch diesen Umstand der Buchwert und Unternehmenswert langfristig steigern sollten. Bei diesen
speziellen Aktien ist es vermutlich falsch, hier nicht wenigstens einmal den Buchwert zu bezahlen. Andere Aktien,
wenngleich dies Sondersituationen sind und fluktuierende Gewinne, verdienen ungefähr so viel in einem Jahr
beziehungsweise in diesem Jahr, wie sie derzeit wert sind. Selbst wenn bei diesen Aktien die Risiken aufgrund des
Geschäftsmodells sicher größer sind als bei "durchschnittlichen Aktien", weiss ich nicht, ob es gerechtfertigt
erscheint, diese Aktien mit einem KGV von weit unter 5 zu bewerten und ungefähr 40 % vom ausgewiesenem
Eigenkapital als Gesamtwert des Unternehmens anzusetzen.
Das Fazit des heutigen Kommentars schliesst sich ein wenig an frühere Kommentare an: Grundsätzlich und auf
lange Sicht bleibe ich positiv für den Aktienmarkt gestimmt. Kurzfristig könnten Seitwärtsbewegungen und/oder
Abwärtsbewegungen den Aktienmarkt kennzeichnen. Der selektive Anleger findet aber auch derzeit noch eine
Fülle von excellent erscheinenden Möglichkeiten, mit einzelnen auserwählten Aktien sehr gute Gewinne
einzufahren. Recherche am Aktienmarkt und die intensive Beschäftigung mit
Aktien/Geschäftsberichen/Zwischenberichten kann sich also lohnen.


(08. November 2009 - DAX bei rund 5488 Punkten - Dow Jones bei rund 10.023 Punkten
Wechselkursverhältnis Euro / US-$ bei circa 1,484:

Während die Wall Street in dieser Woche einen größeren Teil der Gewinnrückgänge des letzten
Rückschlags aufgeholt hat, hat sich der DAX demgegenüber nur moderat erholt. Immerhin, er hat sich
leicht erholt. Damit sieht es so aus, als würde die kurzfristige Korrektur, die vermutlich aufgrund eines
technisch überkauften Aktienmarkts eingesetzt hat, bereits beendet sein. Möglicherweise sehen wir bis
Weihnachten diesen Jahres neue Jahreshochs in DAX und Dow Jones!?
Es gab weiterhin Meldungen von der amerikanischen Notenbank Fed hinsichtlich der Zinsen. Dort heisst
es nun, dass es derzeit für Zinserhöhungen noch zu früh ist. Heisst also, die Fed sieht die Rezession zwar
als überwunden an, möchte den beginnenden Aufschwung aber nicht durch zu frühe Zinserhöhungen
gefährden, da die Konjunkturerholung aus Fed Sicht noch nicht so stark ist, wie einige Wochen zuvor vermutet.
Und die Arbeitslosenquote in den USA liegt laut offiziellen Angaben so hoch wie seit ungefähr 1982 nicht mehr.
Was hat der amerikanische Markt seit 1982 aufgrund dieser schlechten Meldungen gemacht (Wir erinnern uns
daran, dass die Arbeitslosenquote ein Nachlaufindikator ist)? Bis 1987 ist der amerikanische Dow Jones
quasi unaufhörlich gestiegen. Es gibt immer Risiken, dass "diesmal" alles anders ist, aber es ist auch immer
so, dass in Zeichen von Unsicherheiten die größten Gewinne an der Börse zu machen sind. Die erste Welle
der Gewinne ist bereits ein erhebliches Stück voran gekommen (wie in einigen Vorgängerkommentaren
hier bereits vermerkt). Aber nun gibt es irgendwann eine enorme Gewinnchance bei Unternehmen, die sich
in der Krise richtig aufgestellt haben, die zugleich nicht einmal auf Buchwert notieren, dabei aber gleichzeitig
schon jetzt ihre Kapitalkosten erwirtschaften. Kommt in dieser Konstellation noch ein Konjunkturaufschwung
mit entsprechend steigenden Aufträgen und Kapazitätsauslastungen auf diese Unternehmen zu, wird
der Aktienkurs dieser Unternehmen nur eine Richtung kennen, nach oben. Und es gibt einige Unternehmen
auch auf dem deutschen Kurszettel, die trotz dieser Konstellation extrem billig erscheinen. Hier gibt es lange
Wege der Aktienkurse zurück zu legen, bevor neue oder alte Höhen beim Aktienkurs erreicht werden (können).
Aus meiner Sicht startet irgendwann die zweite Stufe der Gewinnwelle, die weitaus selektiver sein wird als
die erste Welle, aber nicht minder interessant und gewinnträchtig. Seit März/April diesen Jahres und in
Wellen vermutlich die nächsten 1 bis 3 Jahre wird wieder Geld verdient an der Börse... bis dann die
nächste Krise wieder zu deutlichen Einbrüchen bei den Aktienkursen führt.


(01. November 2009 - DAX bei rund 5414 Punkten - Dow Jones bei rund 9.712 Punkten
Wechselkursverhältnis Euro / US-$ bei circa 1,472:

Ein herber Rückschlag kennzeichnete die Börsen seit meinem letzten Kommentar. Es gab teilweise eine
Bewertungslücke zwischen den Unternehmensdaten und der Bewertung des Aktienmarkts. Zudem war der
Markt kurzfristig gesehen überkauft und dies hat bislang zu sinkenden Kursen geführt. Einige Banken haben
bekannt gegeben, dass sie ihre Risikovorsorge erhöhen, um eine weitere Welle von Kreditausfällen
besser abzufedern. Wohin der Aktienmarkt von hier aus tendiert, weiss niemand mit 100 %- iger Sicherheit.
Aber der Anleger sollte sich vergegenwärtigen, dass der aktuelle Rückschlag bislang nichts mehr ist als eine
völlig normale Korrektur. Wie ich bereits in meinem letzten Kommentar dargestellt habe, war aus meiner
Sicht die schnellste Aufwärtsbewegung in einem bestimmten Zeitraum bereits vorbei. Denn es hat eine
Meinungsumkehr seit dem Beginn des Jahres beziehungsweise insbeosndere seit März/April diesen
Jahres gegeben. Ein Meinungsumschwung, der von: Alle Aktien werden deutich an Wert verlieren bis hin
zur Insolvenz in einem Konjunkturumfeld, welches als die tiefste und längste Rezession seit 1929 dargestellt
wurde hin zu einem Dreh dieser Meinung zu der korrekten Erwartung, dass die Rezession bald enden
könnte, und die Gewinne der überlebenden Unternehmen dann wieder tendenziell ansteigen. Scheinbar
deuten einige Zahlen von der Konjunktur, aber auch aus den Unternehmen darauf hin, dass die Rezession
tatsächlich zu Ende ist, dass aber auch das Jahr 2010 nur leichte Verbesserungen im Hinblick auf
Konjunktur und Unternehmensgewinne bringen wird. Und dieser leichtere Meinungsumschwung von
der Erwartung, dass sich die Konjunktur und die Unternehmensgewinne schneller und kräftiger erholen,
als allgemein erwartet, hin zu der Erwartung, dass es wohl eher ein moderates Wachstum gibt bei
potentiellen Risiken dieses Szenarios hat offenbar ausgereicht, um einen überkauften Aktienmarkt
wieder deutlicher nach unten zu bringen. Ich denke, dass aber kein oder kaum ein Aufschwung an der
Börse in einem Stück durch stetig anziehende Kurse statt findet. Vielmehr gibt es immer Rückschläge,
weil Erwartungen hinsichtlich der Stärke des Konjunkturaufschwungs variieren. Wie auch? Schliesslich
gibt es eine Phase der reinen Erwartungen auf bessere Zahlen, die dann erst (mal schneller, mal langsamer)
mit anziehenden Unternehmensgewinnen untermauert werden müssen. Als Fazit bis jetzt gilt aus meiner
Sicht: Normale und überfällige Korrektur an den Börsen. Sollten aber verstärkt negative Konjunturdaten
in naher Zukunft mitgeteilt werden und sollten die Börsen weiter deutlich fallen, muss man diese
Ansicht wohl noch einmal überdenken.


(20. Oktober 2009 - DAX bei rund 5852 Punkten (Schlußstand 19. Oktober 2009) -
Dow Jones bei rund 10.092 Punkten (Schlußstand vom 19. Oktober 2009)
Wechselkursverhältnis Euro / US-$ bei circa 1,498:

Inzwischen notieren sowohl DAX als auch Dow Jones auf oder nahe ihren Jahreshochs. Für einen
europäischen Anleger, der ohne Währungssicherung in den amerikanischen Aktienmarkt investiert
hat, wird die Freude über einen Dow Jones höher als 10.000 Punkte etwas getrübt, da sich im zurück
liegenden Zeitraum seit meiner letzten Einschätzung der Wechselkurs des US-Dollars gegenüber dem Euro
deutlicher abgeschwächt hat. Der Ölpreis ist inzwischen auch deutlicher gestiegen, wenngleich auch hier
ein Teil des Anstiegs sicher auf den schwächeren US-Dollar zurück zu führen ist. Unter dem Strich jedoch
sieht es gut aus. Die Erwartungen für das kommende Jahr hinsichtlich der Konjunktur werden von den
Marktteilnehmern (Börsianer, Notenbanken, Wirtschaftsforschungsinstitute etc.) erhöht. Noch gehen die
meisten von einer langsamen Erholung der Wirtschaft aus. Aber die Rezession scheint deutlich hinter
uns zu liegen. Die amerikanische Notenbank hat inzwischen angekündigt, die Zinsen von einem extrem
günstigen Niveau langsam zu erhöhen (und damit zunächst einmal einen ersten Schritt in Richtung
"Normalzinsniveau" zu gehen), wenn der Arbeitsmarkt seinen Scheitelpunkt in den USA erreicht. Das heisst,
wenn die Arbeitslosigkeit in den USA den höchsten Stand erreicht hat. Zuletzt gab es auch vom Arbeitsmarkt
in den USA sehr positive Signale, so dass ein solcher Zinsschritt irgendwann in den nächsten Wochen/Monaten
erfolgen könnte. Nun wissen wir ja, dass steigende Zinsen eher Gift für den Aktienmarkt sind, genau wie
fallende Zinsen eher eine Unterstützung für den Aktienmarkt bieten. Zwischen steigenden Zinsen und den
Auswirkungen der ersten Zinserhöhungen (oder umgekehrt Zinssenkungen und den Auswirkungen) liegen
aber viele Monate oder Jahre. Meine persönliche Einschätzung ist die, dass die ersten Zinsschritte der
Notenbanken nach oben höchstens kurzfristig negativ wirken könnten. Mittel- bis langfristig sehe ich
den Aufschwung immer noch als recht jung an. Blicken wir noch einmal zum Vergleich auch den
Menupunkt Anlagestrategien und da speziell auf die Überschrift "Anlage in und mit Konjunkturzyklen",
so lässt sich feststellen, dass wir uns immer noch im Punkt A) Aufschwung befinden und dass selbst
dieser Punkt A) Aufschwung bislang hauptsächlich nur durch einen Anstieg der Börse gekennzeichnet ist,
ohne dass direkt aus den Unterenehmen positive Zahlen auf den Tisch kommen. Viele Unternehmen
erwarten für das kommende Jahr beziehungsweise für die kommenden Jahre leicht besser werdende
Geschäfte, aber die harten Fakten, die Unternmauerung mit einem überraschend guten Zahlenwerk,
fehlt bislang weitgehend. Deshalb lässt sich die vorsichtige Aussage formulieren, dass wir uns vielleicht
irgendwo inmitten des Punkts A) Aufschwung befinden!? Trotzdem ist es aus meiner Erfahrung so,
dass die Geschwindigkeit des Aufschwungs an der Börse jetzt tendenziell abnehmen wird und es eine
Verlagerung der Aufwärtsbewegung weg vom breiten Markt, hin zu einzelnen Unternehmen und deren
Geschäftsverläufen geht. Der Rest des im Punkt A) Aufschwung beschriebenen Szenarios steht uns
erst noch bevor, also die steigende Kapazitätsauslastung der Unternehmen und die überproportionalen
Gewinnsteigerungen der Unternehmen aufgrund der Fixkostendegression (economies of scale). Vermutlich
wird es also jetzt eine Phase geben, in denen die Gewinnsteigerungen auf Sicht von Monaten und vielleicht
Jahren, die Gewinnerwartungen der Analysten ständig in der Breite übertreffen und sich damit die Aktienkurse der
betroffenen Unternehmen diesen über den Erwartung liegenden Gewinnsteigerungen mit steigenden
Kursen der Einzelunternehmen anpassen. Dies gilt natürlich insbesondere für konjunktursensible
Unternehmen, also zum Beispiel Unternehmen der Automobilbranche, der Elektronikbranche, des
Maschinen- und Anlagebaus und der Bauwirtschaft, um nur einige zu nennen. Natürlich gilt dies nur
grundsätzlich für die Branche(n). Einzelunternehmen können erheblich vom Branchentrend nach oben
oder unten abweichen.
Zurück zum vermutlich bevorstehenden Zinsschritt der Notenbank(en) nach oben: Es ist richtig, dass
eine Zinserhöhung auf lange Sicht einen negativen Einfluss auf die Aktienkurse haben kann oder wird.
Denn das Ziel von Zinserhöhungen ist ja gerade die überbordende Konjunkturentwicklung zu bremsen.
Der Anleger sollte aber sehen, dass die Zinsen jetzt irgendwann leicht erhöht werden, um eine Rückkehr
zu einem normalen Zinsniveau zu erreichen. Und die Zinsen werden jetzt irgendwann erhöht, WEIL die
Konjunktur Tritt gefasst hat. Genau wie umgekehrt die ersten Zinsschritte nach unten in dieser (und manch anderer)
Krise den Verfall der Aktienkurse und den Verfall der Unternehmensgewinne kurzfristig nicht stoppen konnten, so
werden bald auch die ersten Zinsschritte nach oben den Anstieg der Unternehmensgewinne und den
vermutlich weiteren Anstieg der Aktienkurse mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht stoppen können. Unter
dem Strich bleibt für den Anleger aus meiner Sicht die Ampel mittel- bis langfristig auf Grün. Allerdings
wird es in dieser Marktphase, in die wir bald eintreten werden, immer wichtiger, sich mit den einzelnen
Unternehmen zu beschäftigen und bei der Investition in Aktien sehr viel selektiver vor zu gehen. Es gilt,
Bewertungen der Unternehmen zu prüfen, Gewinnerwartungen auszuloten und Zukunftsaussichten
einzuschätzen. Viel Glück bei diesem Vorhaben!


(30. September 2009 - DAX bei 5.713 Punkten (Schlußstand 29. September 2009) -
Dow Jones bei 9742 Punkten per Schluss vom 29. September 2009):

Nach meiner Einstellung der Einschätzung zur Lage am 29. September 2009 gab es Berichte über das
Verbrauchervertrauen der Amerikaner, welches schlechter als erwartet ausgefallen ist und einen
weiteren Bericht über die Auftragslage eines großen Elektrounternehmens aus Deutschland. Auch hier
gab es hinsichtlich der Auftragsbücher eher eine Enttäuschung. Es stellt sich natürlich immer die
Frage, wie sich die Zukunft entwickelt. Es kann sein, dass sich die Börsenindizes von hier zunächst nicht
wesentlich weiter nach oben entwickeln können, nämlich dann, wenn die Gewinnlage der Unternehmen
in der Breite in den nächsten Jahren nicht zulegen kann. Von einem neuerlichen Einbruch bei den
Unternehmensgewinnen und in der Wirtschaft, der dann natürlich auch die Börse negativ beeinflussen
würde, spricht derzeit so gut wie niemand. Konzentrieren wir uns also auf die aus heutiger Sicht
wahrscheinlichsten Szenarien:
Das beste Szenario ist, dass sich die Wirtschaftslage drastisch verbessert. Dann gibt es für die Aktienindizes
eigentlich nur den Weg nach oben. Das zweite (ebenfalls wahrscheinliche) Szenario würde so aussehen,
dass die Gewinne jetzt für 1 oder 2 Jahre stagnieren. In diesem Fall haben wir extrem niedrige Zinsen und
die Aussicht, dass sich in 1, 2 oder auch erst 3 Jahren die Wirtschaft, und damit die Unternehmensgewinne,
deutlich erholen. Auch in diesem Szenario ist das Risiko für den Aktienmarkt relativ begrenzt, denn der
Aufschwung an der Börse würde einfach nur verschoben. So oder so hat der Aktienmarkt eine gute Perspektive
aus heutiger Sicht. Lediglich wenn sich die Wirtschaftslage entgegen den Erwartungen drastisch und
nachhaltig verschlechtert, dann sollte der Anleger eventuell über einen Verkauf von Aktien nachdenken.


(29. September 2009 - DAX bei 5.730 Punkten (im Verlauf) - Dow Jones bei 9789 Punkten per Schluss
vom 28. September 2009):

Deutschland hat gewählt! Aus Sicht der Börse absolut richtig. Denn wie Kanzlerin Merkel betont, kann
niemand in die Zukunft schauen. Um die vorhandenen, riesigen Schulden Deutschlands abzubauen
und einen wirtschaftlichen Kollaps zu vermeiden, gibt es eigentlich nur die Möglichkeit, Wachstumskräfte
freizusetzen und einen möglichen neuerlichen Aufschwung dafür zu nutzen, die Neuverschuldung zu
senken. Die käme dann fast allen Bürgern (und auch unseren Kindern) zu Gute. Den Mangel zu beklagen,
zu verwalten und auf Verteilungskämpfe abzuzielen, erscheint zumindest der Börse nicht als der richtige
Weg. Denn in einer wettbewerbsintensiven Welt werden die Unternehmen dann andere Produktionsstätten
finden und die Lage in Deutschland wird noch dramatischer. Doch widmen wir uns wieder der Börse.
Dort hat es seit dem 16. September 2009 wieder einen Einbruch der Kurse gegeben. Ausgelöst durch einige
schlechte Nachrichten (zum Beispiel vom Häusermarkt) handelt es sich aus meiner Sicht lediglich um
eine technischen Korrektur in einem überkauften Markt. Mittlerweile scheint diese technische Korrektur
wieder beendet und der Dax steht wieder deutlicher über der 5.700 Punkte Marke. Neben den angemerkten
schlechten Nachrichten gab es zwischenzeitlich auch sehr gute Nachrichten. So zum Beispiel aus einigen
Unternehmen der Chemieindustrie und der Automobilindustrie. Dort will man nämlich die Kurzarbeit
abbauen beziehungwsweise einschränken. Bislang lässt sich feststellen, dass der Konjunkturaufschwung
eingesetzt hat und sich dadurch das Bild an der Börse aufhellt. Bislang sehe ich auch nichts, was diesen
Trend umkehren kann oder sollte (potentielle Katastrophen oder Kriege mal aussen vor). Jetzt, wo auch
in Deutschland noch eine wirtschaftsfreundliche Regierung an die Macht gekommen ist, noch weniger.
Auf weiter steigende Kurse im "2 Schritte vor, 1 Schritt zurück" - Verfahren!


(16. September 2009 - DAX bei 5.628 Punkten per Schluss vom 15. September 2009
- Dow Jones bei knapp über 9683 Punkten per Schluss vom 15. September 2009):

An meiner grundsätzlichen Einstellung zum Aktienmarkt hat sich seit dem letzten Kommentar vom
13. September 2009 nichts verändert. Noch einmal wurde von der amerikanischen Notenbank bestätigt,
dass mit einer größeren Wahrscheinlichkeit diese Rezession beendet ist.
Wenngleich ich im letzten Kommentar schreibe, dass es "...aus meiner Sicht immer noch in der Breite
des Aktienmarkts eine Bewertungslücke zwischen dem Indexstand und den Gewinnen der Unternehmen,
die für das Jahr 2009 und das Jahr 2010 erwartet werden.
" gibt, dann möchte ich hier einmal anmerken,
dass es auf der anderen Seite aber vereinzelt auch unglaublich billig erscheinende Aktien gibt, die im
Zuge einer weiteren möglichen Erholung des Aktienmarkts noch sehr weit von ihren ehemaligen
Höchstständen entfernt sind. Und dass, obwohl die Kapitalausstattung und die Gewinnrendite sehr gut ist.
Suchen Sie doch mal nach Unternehmen, die auf oder unter ihrem Buchwert notieren, gleichzeitig eine
solide Kapitalausstattung haben (zum Beispiel mindestens 40 % bei der Eigenkapitalquote) und
gleichzeitig durch die Krise hindurch immer noch Gewinne geschrieben haben. Wenn diese Unternehmen,
die aktuell unter Buchwert notieren, in normalen Wirtschaftszeiten eine hohe Gewinnmarge erwirtschaften,
dannn könnte in diesen Aktienkursen möglicherweise ein hohes Gewinnptential stecken!?
Suchen Sie doch einmal danach oder sprechen Ihren Banker oder Finanzberater an.


(13. September 2009 - DAX bei über 5.620 Punkten - Dow Jones bei knapp über 9600 Punkten):
Diesmal ein eher kurzes Statement. Es gab zwischenzeitlich einen Rückschlag an den Börsen, der
inzwischen wieder mehr als korrigiert wurde. Letztlich notiert der DAX um sein Jahreshoch herum.
Diese Rückschläge sind erstens börsentypisch und zweitens gibt es aus meiner Sicht immer noch
in der Breite des Aktienmarkts eine Bewertungslücke zwischen dem Indexstand und den Gewinnen
der Unternehmen, die für das Jahr 2009 und das Jahr 2010 erwartet werden. Ich vermute jedoch,
inzwischen auch untermauert durch Kommentare der Notenbanken und aus den ersten Unternehmen,
dass sich die Wirtschaft schneller erholt als erwartet und damit auch die Gewinne der Unternehmen
in den nächsten 12 bis 18 Monaten erkennbar besser ausfallen werden, als derzeit noch vermutet.
Dadurch wird sich die Bewertungslücke schnell schliessen und angetrieben von potentiell stärkeren
Unternehmensgewinnen werden die Aktienkurse aus meiner subjektiven Sicht noch weitaus stärker
steigen als derzeit vermutet. Gefahren drohen nach wie vor von der hohen Verschuldung der Staaten
und der hohen Arbeitslosigkeit. Aber insgesamt scheint es so, als hätte der Aufschwungzyklus begonnen.
Es ist gerade ein zartes Pflänzchen gekeimt und bis zu einem ausgewachsenen Baum ist noch ein
langer Weg zurück zu legen.


(21. August 2009 - DAX bei über 5.400 Punkten - Dow Jones bei knapp 9500 Punkten):
In der Vergangenheit wurden sehr starke Anstrengungen unternommen (Notenbankpolitik,
Konjunkturprogramme etc.), einen Stauseee mit Liquidität voll zu pumpen, um mal bildlich zu
sein. Dann wurde entschieden, den bis zum letzten Tropfen gefüllten Stausee per Sprengung der
Staumauer ins Tal zu bringen und im Tal stehen wir alle nun und sehen vielleicht die allerersten
Tropfen oder Bäche, die vom Stausee herunter kommen. Wir blicken punktgenau auf eine Turbine, die
inzwischen gemächlich vor sich hin läuft und fragen uns, ob diese Turbine in nächster Zeit denn voll
ausgelastet werden könnte? Würde man aufschauen und sehen und wissen, welch gewaltige
Wassermengen dort oben freigesetzt wurden, würde die Frage vermutlich lauten, ob die Turbine
überhaupt die Kapazität hat, den gewaltigen Liquiditätsstrom, der da auf uns zu kommt, in irgendeiner
Form noch abzuarbeiten? Nun, in dem soeben skizzierten Bild gibt es sicher keinen anderen Weg
des Wassers, als den ins Tal. Ob es wirklich so kommt, niemand weiss es. Für mich wird es aber
immer wahrscheinlicher, dass sich die Gewinne der Unternehmen schon bald deutlich verbessern
werden (vielleicht auf Sicht der nächsten 12 Monate???). Damit steigen dann die Unternehmensgewinne
weitaus stärker und schneller an, als aus heutiger Sicht erwartet und dann würde das KGV sinken und
auf breiter Front höhere Aktienkurse wären die fast unvermeidliche Folge. Zumal die Zinslandschaft
bei absolut gleichen Unternehmensgewinnen eine noch höhere Bewertung erlaubt. Und
schliesslich müssen und werden die gewaltigen Liquiditätsströme irgendwo sichtbar werden.
Natürlich wissen wir alle, dass der Job der Notenbanken und Regierungen kein einfacher sein
wird, denn wie entzieht man der Wirtschaft geordnet wieder die ungeheuren Liquiditätsmengen,
ohne eine erneute schwere Krise auszulösen. Obwohl all dies nur ein Szenario für die Zukunft sein
kann, verfestigt sich bei mir die Meinung, dass die Party an der Börse begonnen hat. Der potentielle
Anleger kauft jetzt nicht mehr so billig wie im März oder April diesen Jahres, aber der Höhepunkt der
Party ist meiner Meinung nach zeitlich und bewertungstechnisch gesehen mehr oder weniger
weit entfernt. Wie immer ist es wichtig, die in Zukunft folgenden Nachrichten aus der Wirtschaft
allgemein und den Unternehmen im Besonderen zu analyieren. Potentielle Risiken dürfen nicht
aus dem Blickwinkel verschwinden. Trotzdem: Für den Moment scheint es so, als könnte der
Anleger die Party erst einmal geniessen!?


(13. August 2009 - DAX bei rund 5.450 Punkten - Dow Jones per 12. August 2009
bei 9361 Punkten):

Der Börsianer denkt, die Börse lenkt!
Nach einem Rücksetzer der Börse seit meinem letzten Statement, der aus heutiger Sicht auch als
notwendige technische Reaktion gewertet werden kann, hat sich der DAX wieder deutlich über die
5.400 Punkte Marke gehievt. Heute hat das statistische Bundesamt mitgeteilt, dass die deutsche
Wirtschaft im zweiten Quartal gewachsen ist. Auch sonst rund um den Globus nehmen die
Stimmen zu, die ein Ende der Rezession voraussagen. Obwohl die von den Analysten und
auch den Unternehmenslenkern in Umlauf gebrachten Gewinnerwartungen für 2009 und
teilweise auch 2010 diese Kurse kaum noch gerechtfertigen, darf man sich fragen, ob sich mit der
schnelleren und deutlicheren Erholung der Konjunktur auch die Unternehmensgewinne schneller
und deutlicher erholen, als es von Vorständen und Analysten voraus gesagt wird. In meinem
letzten Statement vom 06. August 2009 zeigte ich den Kampf dieser beiden Strömungen (nur
langsame Steigerungen bei den Unternehmensgewinnen versus starkem Konjunkturaufschwung)
auf. Es scheint aus heutiger Sicht so, als würde letztere Hypothese langsam die Überhand
bekommen können.


(06. August 2009 - DAX bei knapp 5.400 Punkten - Dow Jones per 05. August 2009
bei rund 9280 Punkten):

Nun, das war eine deutliche Rallye in kurzer Zeit, die die Börsianer beim Dow Jones und insbesondere
beim DAX in den letzten Wochen erleben durften. Abgesehen von Daten zum Arbeitsmarkt, die
ohnehin im Ruf stehen, nachlaufende, und damit kaum richtungsweisende Indikatoren zu sein,
signalisieren andere Konjunkturdaten inzwischen deutlicher ein Ende der scharfen Rezession.
Vorerst blicken die Börsianer auf bessere, vor uns liegende Zeiten und der Aufschwung scheint
zum Greifen nah. Doch nun stellt sich die Frage, falls es zu einem Aufschwung kommt, wie stark
dieser ausfällt und wie stark und wie schnell die Unternehmensergebnisse positiv beeinflusst
werden. Ein Blick in die Unternehmensstatements der letzten Tage und Wochen signalisiert
zwar teilweise eine Verbesserung und auch die Unternehmenslenker signalisieren bis dato,
dass das Schlimmste überstanden sein könnte. Doch von einem starken Aufschwung und der
Erwartung, dass die Unternehmensergebnisse des Geschäftsjahres 2010 ungefähr wieder
an die Rekordergebnisse der vergangenen Geschäftsjahre anschliessen können, zeigen sich
die Statements aus den Unternehmen doch sehr weit entfernt. Das Geschäftsjahr 2009, mit
entsprechenden möglichen Auswirkungen auf die in 2010 zu zahlende Dividende, ist ohnehin
für die meisten Unternehmen abgehakt. Obwohl ich aus heutiger Sicht vermute, dass der langfristig
orientierte Investor durchaus noch Gewinne machen kann, wenn er die Aktien jahrelang hält,
so hat sich meine kurzfristige Einschätzung zum Aktienmarkt und dem Bewertungsniveau doch
etwas eingetrübt. Denn mit teilweise negativen Ergebnissen der Unternehmen für das Jahr 2009
(andere Unternehmen berichten über massive Gewinneinbrüche in 2009), und nur moderaten
Gewinnzuwächsen in 2010, nimmt der Aktienmarkt meiner Meinung nach bis dato zu viel vorweg.
Oder anders ausgedrückt: Ich habe Zweifel daran, dass der Markt sich an potentiellen Gewinnen
der Unternehmen, die diese vielleicht erst im Lauf des Geschäftsjahres 2011 erreichen könnten,
schon jetzt, Mitte 2009, orientieren sollte??? Der eher kurzfristig orientiere Anleger könnte richtig
handeln, in dem er beim Kauf von Aktien derzeit etwas Zurückhaltung übt!? All diese Überlegungen
können natürlich völlig falsch sein, wenn ein Szenario eintritt, dass derzeit, zumindest wenn man den
Aussagen der Unternehmen und den Gewinnschätzungen der Analysten glaubt, eher unwahrscheinlich
erscheint, nämlich eine rasante Erholung der Weltwirtschaft und auch der europäischen Konjunktur
(die ohnehin circa ein halbes Jahr hinter der amerikanischen Konjunkturentwicklung hinterher hinkt).
Eine Erholung mit enormen und bisher nicht absehbaren Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne
des Geschäftsjahres 2010 und darüber hinaus. Diese beiden Strömungen der Erwartungen gilt es,
zu gewichten und sich daraus letztlich selbst ein Bild über das Bewertungsniveau des Aktienmarkts
zu machen.


(19. Juli 2009 - DAX bei knapp 5.000 Punkten - Dow Jones bei über 8700 Punkten):
Seit dem 5. Juli und den in dieser Periode bis zum 5. Juli rückwirkenden "Tiefstständen" des
DAX gab es eine rasche Erholung in die Nähe der 5.000 Punkte Marke. Auch der Dow Jones
konnte sich deutlich erholen. Es ist inzwischen erkennbar, dass sich das Verhältnis von guten
Meldungen zu schlechten Meldungen kontinuierlich verbessert. Ein deutliches Zeichen aus
heutiger Sicht für ein baldiges Ende der konjunkturellen Abwärtsbewegung. Und ein geradezu
typisches Verlaufsmuster vom Übergang eines Konjunkturabschwungs zu einem
Konjunkturaufschwung. Auch in der abgelaufenen Periode (Woche) gab es zahlreiche positive
Meldungen aus Einzelunternehmen und/oder von der Konjunktur. Beispiele sind die
neuerlichen Stabilisierungstendenzen am US-Immobilienmarkt, oder gute Nachrichten aus
der Chip-Industrie. Weitere Beispiele sind die hohen Gewinne einiger großer Banken oder
auch der kommunizierte positive Ausblick eines deutschen Modeschmuckhändlers. Es ist
höchst wahrscheinlich, dass sich in Folge der konjunkturellen Verbesserungen auch die
Gewinne der Unternehmen auf breiter Front in Zukunft verbessern werden. Damit verändern
sich auch die Bewertungsrelationen der Aktienmärkte und a la long auch die Indizes wie
DAX und Dow Jones. Ganz gleich, ob die nächsten Wochen nun eine Konsolidierung der
Indizes durchlaufen oder eine weitere Steigerung. So lange sich das Konjunkturszenario
aufhellt und die Zinsen niedrig bleiben, führt an einer Höherbewertung der Aktien kaum ein
Weg vorbei. Aufmerksam sollte der Börsianer dennoch immer sein, welche Meldungen von der
Konjunktur oder von den Unternehmen in Zukunft kommen. Immer bereit, aufgestellte Prognosen
und Annahmen zu revidieren, wenn dies nötig erscheint.


(05. Juli 2009 - DAX bei knapp über 4.700 Punkten - Dow Jones bei rund 8280 Punkten):
Fast 8 % Minus beim DAX gegenüber Anfang Juni. Fast 5 % Minus beim Dow Jones. So die
kurzfristig ernüchternde Bilanz an den Börsen. Zu viel, zu schnell. So könnte es der Anleger
anders ausdrücken. Wie es in Erholungsphasen üblich ist, gibt es mal positivere Meldungen,
aber auch mal wieder negative Überraschungen, so wie in dieser Woche beispielsweise vom
amerikanischen Arbeitsmarkt. Die Börse ist wieder skeptischer geworden, was eine baldige
und deutliche Erholung der Wirtschaft anbelangt. Das Szenario einer sich nur langsam (mit
einigen Rücksetzern) erholenden Konjunktur gegen Ende 2009/Anfang 2010 scheint derzeit
wahrscheinlich zu sein. Erkennbar ist auch in vielen Branchen und vielen Unternehmen, dass
die Gewinne in 2009 im Vergleich zu 2008 wohl zurück gehen werden, teilweise auch Verluste
hingenommen werden müssen. Dies hätte dann vermutlich in der Breite des Marktes Auswirkungen
auf die Dividendenzahlungen in 2010 für 2009. Vor diesem Hintergrund hatte der Aktienmarkt
Anfang Juni einfach zu viel Hoffnung auf eine schnelle und kräftigere Erholung der Wirtschaft
in die Aktienkurse eingearbeitet. Nun nähert sich der Aktienmarkt offenbar wieder faireren
Niveaus an. Schlecht für die Marktteilnehmer, die noch bei knapp 5200 Punkten gekauft haben,
eventuell gut für Marktteilnehmer, die sich längerfristig günstig mit Aktien eindecken wollen.
Wie es aktuell an der Börse weiter geht, vermag ich nicht zu sagen, doch die Kursniveaus
erscheinen aus fundamentaler Sicht wieder besser an die Realität angepasst zu sein. Ich denke,
der längerfristig orientierte Anleger sollte vor Augen haben, dass sich die Unternehmensgewinne
auf breiter Front über den gesamten, nächsten, kommenden Wirtschaftszyklus deutlicher erholen
werden und vor dem Hintergrund dieser zu erwartenden Gewinne (selbst wenn diese erst in 3
Jahren eintreten sollten), haben die meisten Unternehmen noch deutlicheres Aufwärtspotential.


(01. Juni 2009 - DAX bei über 5.100 Punkten - Dow Jones bei über 8700 Punkten):
Die im Mai angedachte, beziehungsweise für möglich gehaltene leichte Korrektur der Aktienkurse
hat inzwischen stattgefunden. So ist der DAX auf rund 4.700 Punkte zurückgekommen, bewegte
sich dann seitwärts um die 4.900 bis 5.000 Punkte Marke um per heute mit einem deutlichen
Satz nach oben die 5.100 Punkte Marke zu überspringen. Da es zwischenzeitlich eine kleine
Korrektur gegeben hat, scheint diese erneute Aufwärtsbewegung der Indizes recht gesund zu sein.
Bemerkenswert ist, dass es zunehmend positive Signale von der Konjunktur gibt, sei es nun in
den USA (zum Beispiel ein deutlich besseres Verbrauchervertrauen) oder wie heute morgen in
China (hoffnungsvolle Konjunkturdaten).
Gleichzeitig steigen sowohl Ölpreise als auch Rohstoffpreise auf breiter Front wieder an (von
ihren im Vergleich zu den Höchstständen in 2008 deutlichgefallenen Niveaus).
Das alles nährt die Hoffnung auf ein Ende der Finanz- und Wirtschaftskrise in baldiger Zukunft.
Per heute erwarten die meisten Marktteilnehmer (die auf eine Erholung der Konjunktur setzen)
eher eine schleppendere Erholung. Dies scheint aus heutiger Sicht wahrscheinlich zu sein.
Jedoch sollte auch die Möglichkeit einer überraschend schnellen Erholung der Konjuntur weltweit
nicht mehr gänzlich ausgeschlossen werden, wenngleich, ich wiederhole es noch einmal,
dieses Szenario aus heutiger Sicht eher unwahrscheinlich erscheint.
Doch was heisst das nun möglicherweise für die Aktienkurse von heute und in der Zukunft?
Rückblickend lässt sich wohl anmerken, dass die größten Gewinne am Aktienmarkt dann möglich
waren, als die Ergebnisse schlecht und die Stimmung unter den Börsianern und in der Wirtschaft
katastrophal aussah. Dementsprechend konnte der Anleger Aktien zum halben Buchwert oder tiefer
kaufen (siehe mein Kommentar zum 12. Mai 2009).
Mittlerweile haben viele Analysten zum aktuellen Kursniveau beziehungsweise vielen Einzelaktien
eine eher abwartende Haltung eingenommen, denn die Aktienkurse haben sich auf breiter Front
erholt und sind im Verhältnis zu den derzeitigen Gewinnen der Unternehmen durchaus nicht mehr
mit der Einschätzung "deutlich unterbewertet" zu etikettieren. Abgesehen von selektiven Branchen
wie der Banken- und Versicherungsbranche erwarten viele Branchen eher sinkende Gewinne
im laufenden Geschäftsjahr und bis dato eher moderate Steigerungen oder Stagnationen des
Unternehmensgewinns in 2010. Kurzum: Die Gewinnsituation sollte sich in den meisten Branchen,
also im laufenden Geschäftsjahr, eher verschlechtern als verbessern. Zusätzlich dürften die
Ausschüttungen der Unternehmen in Form von Dividenden in 2010 sinken. Vor diesem Hintergrund
scheint die aktuelle Bewertung des Aktienmarkts in der Breite angemessen zu sein. Doch ich vermute,
dass sich entlang der wirtschaftlichen Erholung auch die Unternehmensgewinne wieder deutlicher
verbessern werden, selbst wenn dieses erst gegen Ende 2010/Anfang 2011 der Fall sein könnte.
Ich erinnere daran, dass die Börse im allgemeinen Ergebnissituationen der Zukunft vorweg nimmt.
Und mit überraschend deutlichen Steigerungen der Unternehmensgewinne in der Zukunft, lässt sich
dem Aktienmarkt im Ganzen auch wieder eine höhere Bewertungsmöglichkeit zuschreiben. Ich denke
besonders an die Situation seit Anfang 2008. Es gab kaum Erklärungen dafür, dass die Indizes (wie
der DAX) immer mehr eingebüßt haben und besonders in den Nebenwerten (auf Basis der erwarteten
Gewinne für das Geschäftsjahr 2008) teilweise Bewertungen an der Börse sichtbar wurden, die mit
der Realität der Gegenwart von 2008 rein gar nichts mehr zu tun hatten. Und dann wurde die "Erklärung"
für diese Kursrücksetzer nachgeliefert und der Anleger erkannte, dass die Rückgänge der Aktienkurse
durchaus gerechtfertigt waren. Jetzt könnte die Situation umgekehrt sein!? Die Aktienkurse könnten
weiter ansteigen und sich bewertungstechnisch gesehen von den aktuellen Unternehmensgewinnen
zu weit nach oben entfernen. Viele Analysten müssen dann aufgrund der scheinbar höheren
Bewertung eher zu einer abwartenden Haltung raten. Doch schon bald könnten die
Unternehmensgewinne anziehen und damit die Bewertungsmöglichkeit der Unternehmen auf breiter
Front ansteigen. Der Aktienmarkt läuft den Unternehmensgewinnen möglicherweise schon jetzt voraus!?
Für den rein fundamental orientierten Anleger wird es jetzt schwerer, gute Kaufgelegenheiten zu finden.
Doch wenn der Aufschwung in Gang kommt und die Unternehmensgewinne anziehen, wäre es
vermutlich richtig, jetzt zu kaufen, auch wenn der möglicherweise untere Wendepunkt der Aktienkurse
vielleicht verpasst wurde!?


(12. Mai 2009 - DAX bei rund 4.900 Punkten - Dow Jones bei rund 8400 Punkten):
Mittlerweile hat der DAX (und mit ihm weitere Börsenindizes weltweit) gegenüber März/April deutlicher
zugelegt, obwohl er von seinen Höchstständen um 8.000 Punkte noch sehr deutlich entfernt ist.
Lässt der Anleger die letzten Wochen Revue passieren, so hat es Anfang März zahlreiche
Unternehmen gegeben, die rein rechnerich, selbst vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise, extrem
günstig aussahen. Günstig, wenn der Anleger vom Überleben der Firma ausgeht. Da gab es Unternehmen
zu kaufen, die nach wie vor Gewinne erwirtschaften, zu unter 50 % des Buchwerts. Andere Unternehmen
notierten zwar um ihren Buchwert herum oder leicht darüber, aber die erwirtschafteten Erträge, die auch in
der Krise weit oberhalb der Kapitalkosten lagen, sprachen auch in diesen Fällen für eine massive
Unterbewertung. Und diese Unterbewertung hat sich, gerade bei besonders hart abgestraften
Unternehmen, teilweise wieder recht deutlich korrigiert. So waren denn auch Kursgewinne in
selektiven Aktien von 50 %, 100 % oder mehr keine Seltenheit an der Börse. Inzwischen muss der
Anleger jedoch feststellen, dass es derlei "Sonderangebote" bei Aktien nur noch vereinzelt gibt.
Aber es gibt sie auch derzeit noch. Die generelle Bewertung hat sich mittlerweile etwas erhöht
und entspricht wieder etwas mehr der Realität. Und aus kurzfristiger Sicht könnte dieser Umstand
und die Tatsache eines deutlichen Anstiegs der Börsenkurse auch für leichte Korrekturen an den
Börsen sorgen. Mittel- bis langfristig sind zahlreiche Unternehmen noch Lichtjahre von ihren Gewinnen
aus den Jahren 2006/2007 entfernt. Und gleichzeitig auch die Aktienkurse. Deshalb sollte auch
längerfristig die Möglichkeit bestehen, dass die Gewinne der Jahre 2006/2007 irgendwann in
den nächsten Jahren erreicht werden könnten. Und wenn dem so wäre, würden die Aktienkurse
den Gewinnen folgen. Ob die Finanz- und Wirtschaftskrise inzwischen vorbei ist und gegen
Ende des Jahres 2009 oder Anfang des nächsten Jahres ein neuer Aufschwung einsetzt (einige
Notenbankchefs und Regierungsvertreter glauben daran) kann niemand sagen, aber die Anzeichen
für eine Erholung mehren sich. Die massiven Zinssenkungen und die Konjunkturprogramme
haben scheinbar dafür gesorgt, dass der massive Absturz der Wirtschaft vorerst gestoppt wurde.
Die Preise für Rohstoffe und Energie sind stark gefallen und sorgen mittlerweile auch in den
Unternehmen für erhebliche Kostenredutkionen bei den Materialkosten. Dies wird mittlerweile
auch schon an den Verbraucher weitergegeben. Die stark gefallenen Zinsen machen es wieder
leichter, größere Anschaffungen zu tätigen wie Autos, Immobilien etc. Gefallene Sparzinsen
verleiten mehr dazu, einen Teil des ersparten Geldes abzuheben und auszugeben. So zeigen sich
in verschiedenen Regionen der Welt erste Stabilisierungszeichen der Immobilienpreise. Und
auch die zuletzt gestiegenen Aktienkurse sorgen dafür, dass sich Sparer und Anleger wieder
etwas reicher fühlen. Mit diesem "Wealth Effekt" steigt auch die Bereitschaft wieder etwas an,
Geld auszugeben. Meine persönliche Einschätzung ist die, dass der Wendepunkt zum Besseren
gekommen ist und sich Aktienkurse und Gewinne der Unternehmen im Zeitraum von 2 bis 4 Jahren
wieder stabilisieren werden und an die gute Zeit aus dem Jahre 2006/2007 anschliessen können.
Denn der Aufschwung (so er denn einsetzt) ist noch jung. Nach einer schnellen Wende bei den
Unternehmensgewinnen/Aktienkursen sieht es derzeit aber eher nicht aus, wenn man in die
Unternehmensmeldungen hereinschaut. Die meisten Unternehmen gehen davon aus,
dass die Unternehmensergebnisse noch weit bis in das Jahr 2010 und eventuell
darüber hinaus negativ beeinflusst sein werden von den Nachwirkungen der Krise. Doch
ebenfalls die meisten Unternehmen, die jetzt noch nicht insolvent sind, sehen sich gestärkt
aus der Krise hervor gehen.
Trotzdem sollte der Anleger natürlich die kommenden Wochen und Monate genau verfolgen und
immer bereit sein, getroffene Einschätzungen auch zu korrigieren, falls nötig.


(09. April 2009 - DAX bei knapp 4.500 Punkten - Dow Jones bei rund 8000 Punkten):
Seit meiner letzten Einschätzung vom 10. März 2009 haben die Börsen mit deutlichen Kurssprüngen
reagiert. Die Gründe, die dieser Aufwärtsbewegung vermutlich zu Grunde liegen, sind seit dem
Statement vom März fort zu schreiben (Natürlich mag auch eine Korrektur der teilweise deutlichen
Unterbewertung eine Rolle gespielt haben). Aber es zeigt sich weiter, dass viele Bank- und Finanzwerte
in ihren Ergebnissen positiv überraschen und einige Konjunkturprogramme wie die Abwrackprämie
greifen und dem Automobilsektor und der Automobilzulieferbranche gut tun. Neben der scheinbaren
Erholung der Finanz- und Bankenbranche gibt es hier und da weitere Anzeichen für eine Stabilisierung.
So wurde aus Großbritannien vermeldet, dass die durchschnittlichen Preise verkaufter Eigenheime
im Monatsvergleich seit längerer Zeit wieder gestiegen sind. Es scheint so, als würde neben dem
Finanzsektor nun auch der Immobiliensektor, ein weiterer Hauptgrund für den Beginn dieser
Finanz-und Wirtschaftskrise, in einigen Bereichen einem Ende der Abwärtsbewegung entgegen sehen.
Dies sind meiner subjektiven Einschätzung nach deutliche Signale einer möglichen Erholung
der wirtschaftlichen Lage in einigen Monaten und vielleicht dem Ende dieser Finanz- und Wirtschaftskrise!?
Versuchen wir nun, etwas weiter zu denken und stellen uns die Frage nach der Zeit, in der die meisten
überlebenden Unternehmen wieder an die Gewinne der Jahre 2006 und 2007 anknüpfen können und
stellen wir uns weitere Fragen zur Inflationsentwicklung (hier sehen einige Marktteilnehmer bereits für
2010 einen exorbitanten Anstieg der Inflationsrate). Die Frage nach der Dauer des Anknüpfens der
meisten Unternehme an alte Gewinne ist sicher nicht leicht zu beantworten. Ich kann es jedenfalls nicht.
Aber wenn alte Gewinne in der Breite der Unternehmen wieder erreicht werden können, ist es weniger
wichtig für den Langfristinvestor, ob dies nach 1 oder erst nach 4 Jahren möglich ist. Denn wenn
es zu erneuten, rekordverdächtigen Gewinnen in der Mehrzahl der Unternehmen kommen wird, selbst
wenn dies noch 3 oder 4 Jahre dauern würde, wäre ein Einstieg in den Aktienmarkt auf diesem Niveau
vermutlich vertretbar!?
Die zweite Frage, die ich angesprochen habe, ist die nach der künfitgen Inflationsentwicklung. Der aktuelle
Stand der Dinge ist, dass wir eine Inflationsentwicklung haben, die kaum noch wahrnehmbar ist.
Energiepreise, Ölpreise, Rohstoffpreise, Arbeitskosten, Immobilien, Grundstücke...alles ist im vergangenen
Jahr sehr deutlich billiger geworden und wird sich, mit einiger Zeitverzögerung, auf den Verbraucher
in Form von sinkenden oder weniger stark steigenden Preisen positiv auswirken. Ich zweifel auch nicht
daran, dass das Logische passiert, also das massive Einsetzen der Inflation mit Wertsteigerungen
bei Sachwerten (Aktien, Immobilien, Grundstücken, Rohstoffen etc.). Aber ich vermute, dass die
Erwartungen an ein schnelles Anspringen der Inflation falsch sein werden!? Etwa im Jahre 1994
titelte ein Börsenmagazin sinngemäß, dass es einen Rohstoffboom geben werde. Vollkommen richtig
war diese Aussage. Schliesslich war es logisch, dass der zunehmende Rohstoffhunger der
Schwellenländer wie China, Indien etc. zu ansteigenden Notierugen bei den Rohstoffen führen werden.
Aber erst nach dem Jahr 2002 begann ein signifikanter Anstieg der Rohstoffpreise. Die Theorie war
also vollkommen richtig, aber zwischen Theorie und "Erfolg" lagen lange Jahre. Ich vermute, dass
vor einer dramatischen Inflationsbewegung, die sicher irgendwann einsetzen wird, sich erst einmal die
Wirtschaftslage weltweit deutlich stabilisieren muss. Zudem müssen freie Kapazitäten voll ausgelastet
sein, die Unternehmen neue Kapazitäten durch neue Investitionen schaffen und der Arbeitsmarkt wieder
weniger Arbeitslose und zudem einen Fachkräftemangel aufweisen. Die Energie muss sich zudem
wieder massiv verteuern und bis dato ist unklar, welche Rolle dabei die jetzt beginnenden massiven
Investitionen in erneuerbare Energien, gerade in den USA, spielen werden in Bezug auf die Energiekosten.
Vielleicht schaffen die Investitionen in erneuerbare Energien eine Art Puffer, der die Energiekosten für
eine längere Periode niedrig hält, bevor sich die Energie dann wirklich drastisch verteuern wird. Und
nicht zuletzt müssen Unternehmen wie Privatleute erst einmal die schmerzlichen Verluste der
Wirtschafts- und Finanzkrise verdauen, bevor ein neuer Boom, weltweit gesehen, entstehen kann.
Aus meiner Sicht der Dinge sind dies Entwicklungen, die eher 5 Jahre oder länger dauern werden als 1 Jahr.
Deshalb halte ich eine deutliche Inflation aus heutiger Sicht in den Jahren 2010, 2011 und 2012
für sehr unwahrscheinlich. Und wenn es so kommen sollte (niedrige Inflation in den Folgejahren),
sollte auch dieser Faktor den Aktienmarkt langfristig unterstützen helfen.


(10. März 2009 - DAX bei rund 3.800 Punkten - Dow Jones bei rund 6800 Punkten):
Seit meinem letzten Statement hat sich der DAX im Punktestand nicht verändert, obwohl er zwischenzeitlich
schon bei unter 3700 Punkten notierte. Der Dow Jones steht trotz des heutigen deutlichen Anstiegs
aber etwas tiefer. Zeiten des Übergangs sind durch Unsicherheiten geprägt und durch unterschiedlich
ausfallende Meldungen. Mal sind es positive Meldungen, mal negative. Seit dem 24. Februar haben
sowohl die Bank of England als auch die europäische Zentralbank ihre Leitzinsen um jeweils einen
halben Prozentpunkt gesenkt (auf 0,5 % in England und 1,5 % in der Eurozone). Es setzt sich mehr und
mehr die Erwartung durch, dass die Wirtschaftskrise länger als zunächst angenommen andauern wird.
So erwarten die optimistischeren Akteure aus Regierung und Wirtschaft eine zarte Stabilisierung ab
2010. Wenn dem so wäre, müsste die Börse (aufgrund Ihres Vorlaufcharakters) bald ansteigen. Andere
erwarten einen deutlich längeren Abschwung. Ein Abschwung, der weit über das Jahr 2010 hinaus geht.
Meine Einschätzung ist zwar noch unentschlossen hinsichtlich der Frage eines möglichen Endes der
Wirtschafts- und Finanzkrise, jedoch gibt es weitere positive Zeichen, die für ein beginnendes Ende sprechen
könnten. Schaut der Anleger auf die Sektoren, die die Finanzkrise ausgelöst haben, also den Immobiliensektor
und den Finanzsektor, so gibt es erste Pflänzchen der Hoffnung. Einige Banken in Europa und selbst in den
USA vermeldeten heute beziehungsweise in den vergangenen Tagen, dass das operative Geschäft
wieder Gewinne abwirft. Einige Firmen/Aktien aus dem Bausektor (insbesondere in England) stemmen sich schon
seit Monaten gegen den Abwärtstrend an den Börsen und beginnen, sogar wieder zu steigen. Natürlich sind
dies auch die Sektoren, die am meisten gelitten haben, aber es beginnt sich eine Stabilisierung abzuzeichnen.
Auch die Aktien von Unternehmen der Automobilindustrie reagieren vorerst einmal nicht weiter höchst negativ
auf weitere schlechte Absatzzahlen (die Problemkinder der Branche mal ausgeklammert). Ebenfalls sollte
der Einfluss der sinkenden Energiepreise und Rohölpreise nicht verkannt werden. Wir alle haben es vielleicht
von unseren Stromversorgern vernommen. Der Gaspreis fällt schon ein wenig, der Strompreis zieht noch
einmal etwas an, da die Versorgerunternehmen noch zu hohen Preisen Strom eingekauft haben, den sie
aktuell ebenfalls zu hohen Preisen verkaufen. Aber der Effekt sinkender Strompreise wird mit aller
Wahrtscheinlichkeit einsetzen. Auch die Endverbraucherprodukte, die auf Rohölbasis basieren, benötigen
noch etwas Zeit, bevor auch für die Herstellerfirmen die Preise sinken und diese dann letztlich auch
an den Konsumenten weiter gereicht werden. Die hohe Zahl der Arbeitslosen (leider) eröffnet den
Unternehmen Möglichkeiten, hoch qualifizierte Arbeitnehmer zu Dumpinglöhnen zu beschäftigen. Auch
dieser Effekt wird sich vermutlich irgendwann wieder für den Endverbraucher positiv auswirken, da
auch von der Lohnfront kaum Inflationstendenzen auszumachen sein werden. Und last but not least
sollte nicht vergessen werden, dass nahezu alle Vermögenswerte (ausser Gold - bis dato) im Wert
gesunken sind. Immobilien, Grundstücke, Aktien, alles tiefer. Neben den Sparzinsen sind auch die
Kreditzinsen gefallen und die Notenbankpolitik hüben wie drüben ist immer noch deutlich expansiv.
Vielleicht greifen bald die ersten Massnahmen der Notenbanken in der Realwirtschaft? Es gibt also
schon einige Lichtblicke, die eventuell das berühmte Licht am Ende des Tunnels sein könnten!?
Allerdings gibt es auch einige Sektoren, die eventuell die Krise noch nicht durchlaufen haben!?
Es gibt und gab einige Berichte von eher auf den Konsumenten gerichteten Unternehmen, die jetzt
erwarten, dass die Krise auch auf den Konsum überschwappen könnte. Die Tendenz zum Sparen könnte
einige Konsumenten dazu bewegen, billigere "no name" Produkte zu kaufen und weniger Markenartikel.
Auf der anderen Seite spürt der Verbraucher/Arbeitnehmer auch erst jetzt richtig im Geldbeutel, was
Kurzarbeit und Massenarbeitslosigkeit bis dato angerichtet haben. Nach wie vor hat sich jedoch nicht
verändert, dass viele Unternehmen/Aktien unglaublich billig erscheinen.


(24. Februar 2009 - DAX bei rund 3.800 Punkten im Tief- Dow Jones bei rund 7150 Punkten):
Die Hoffnung auf eine Stabilisierung der Aktienmärkte hat sich leider nicht erfüllt. Der DAX ist inzwischen
deutlich unter der 4.000 Punkte Marke und vielleicht wird der Dow Jones Index noch heute die 7.000
Punkte antesten!? All die aktuellen und hochgradig negativen Meldungen (Teilverstaatlichung von Banken, Krise in
der Automobilindustrie, Krise bei Versicherungsunternehmen etc.) wurden von der Börse bereits durch
deutliche Abschläge in den betroffenen Aktien im letzten Jahr angedeutet. Obwohl sich Experten
einig sind, dass dies bis dato bereits die schwerste Rezession der Nachkriegsgeschichte ist, stimmt
mich der erneut drastische und schnelle Rückgang der Aktienkurse mehr und mehr nachdenklich. Denn das
könnte, falls sich dieser Trend in den nächsten Wochen/Monaten bestätigt oder verstärkt, darauf hin deuten,
dass mit einer Verzögerung von vielleicht 3 bis 9 Monaten die Realwirtschaft erneut den JETZT sinkenden
Aktienkursen folgt. Was dies dann heisst, vermag ich nicht zu sagen.
Hintergrund dieser These ist das Wissen um die insgesamt brilliante Voraussagefähigkeit der Börse
über den Zustand der Realwirtschaft. Sehr oft hat die Börse mit deutlichen Aufschlägen der Aktienkurse
oder deutlichen Abschlägen der Aktienkurse die Fähigkeit, die Zukunft der Realwirtschaft zu erahnen.
Aber nicht immer. Manchmal liegt auch die Börse schief in ihrer Einschätzung. Dies sind dann die
Augenblicke, in denen ein Anleger langfristig viel Geld gewinnen oder verlieren kann.
Meiner Meinung nach ist es jetzt enorm wichtig, dass eine Stabilisierung der Wirtschaft und auch der
Finanzmärkte sehr schnell stattfindet, damit keine finanzielle Kettenreaktion erfolgt, die eventuell das ganze
System ins Wanken bringt. Wie lange der Niedergang noch dauert und wie schwer er ist,
niemand vermag es heute zu sagen.
Zu hoffen bleibt, dass nicht nur die USA und die Notenbank FED erkennen, wie schwer und wie tief diese
Krise ist, sondern auch andere Entscheidungsträger in Regierungen und Notenbanken. Und das
möglichst zügig. Gelingt eine Stabilisierung der Börsen und der Wirtschaft, dann bestehen auch
wieder Chancen für den Anleger, der auf steigende Kurse setzt. Letzteres ist derzeit aber eher schwer
vorstellbar. Und doch gibt es immer die Hoffnung, dass es sich bei dem jüngsten Kursrücksetzer um
eines der wenigen Ereignisse handelt, an denen die Börse schief liegt. Denn wenn eine Erholung
der Realwirtschaft stattfinden sollte, wann auch immer das sein wird, es wird niemand zuerst in der
Zeitung lesen, niemand im Fernsehen sehen und niemand im Radio hören. Zunächst wird die Börse
diese Signale erfassen und dann, mit einer Verzögerung von einigen Monaten werden erste
Hoffnungsschimmer sichtbar werden.


(07. Februar 2009 - DAX bei rund 4.650 Punkten - Dow Jones bei rund 8.280 Punkten):
Obama ist inzwischen in sein Amt eingeführt worden. Damit haben die USA ihre politische Handlungsfähigkeit
zurückgewonnen. Seit seiner Amtseinführung hat Barack Obama mehrfach zur wirtschafltichen
Situation der USA Stellung bezogen. Er teilte der Bevölkerung mit, dass der wirtschaftliche Niedergang
der USA seiner Einschätzung nach für einige Monate weiter geht, bevor es dann langsam besser
wird. Er sieht die mögliche Rückkehr zu prosperierenden Wirtschaftsleistungen auf Vorkrisenniveau
einige Monate länger dauern. Bedingung für dieses Positivszenario sei allerdings eine schnelle und
entschlossene Handlung des Staates zum Beispiel über Konjunkturprogramme, flankiert von Aktionen
der Notenbanken. So hat in den letzten Wochen beispielsweise die britische Notenbank erneut ihre
Leitzinsen zurückgeschraubt.
Trotzdem ist die Arbeitslosenquote in den USA aktuell auf ein Rekordhoch (gemessen an den
letzten gut 30 Jahren) gestiegen. Einige Firmen gehen in die Insolvenz oder stehen kurz davor.
Andere Firmen rationalisieren massiv und bauen Arbeitsplätze ab. Einige prüfen Zusammenschlüsse,
um die wirtschaftliche Krise zu überleben.
Vor dem Hintergrund dieser Wirtschaftsdaten hat die Börse in den USA und in Deutschland zwar wieder
ein wenig an zwischenzeitlichen Kursgewinnen eingebüsst, allerdings gibt es in jüngster Zeit auch
teilweise positive Meldungen aus den Unternehmen. So sind die Depots vieler Unternehmen aus
der Bankbranche und der Versicherungsbranche gering mit Aktien bestückt. Weitere Verkäufe können
aus dieser Ecke kaum noch kommen. Hier und da melden die Unternehmen der Finanzbranche,
dass sie sich vorstellen können, ihre Aktienquote langsam wieder hoch zu fahren.
Andere Unternehmen aus eher zyklischen Branchen melden zwar schlechte, aber weniger schlechte
Nachrichten als befürchtet und sorgten in der jüngsten Vergangenheit für ein wenig mehr Vertrauen.
Weiterhin positiv ist auch, dass neben den Energiepreisen (Öl, Kohle und Gas) auch die Preise
anderer Rohstoffe einschliessliche der Agrarrohstoffe (Ausnahme Edelmetalle) deutlich gesunken sind.
Trotz weiterer Negativmeldungen aus der Nahrungsmittelbranche könnte sich hier in Zukunft die
Kostensituation wieder deutlich entspannen und damit a la long auch die Gewinne wieder tendenziell
ansteigen. Natürlich profitiert auch der Verbraucher von günstigen Energiepreisen und günstigen
Nahrungsmittelpreisen und hat dann etwas mehr Geld in der Tasche um anderweitig Anschaffungen zu
tätigen. Meiner Meinung nach ist trotz des Rückgangs der Börse auf breiter Front gegenüber Anfang
Januar eine gewisse Stabilisierung der Kurse zu erkennen. Gerade die eher zyklischen Unternehmen,
die in der jüngsten Vergangenheit am meisten gelitten haben, reagieren teilweise deutlich positiv im Kurs, trotz
immer noch eher düsterer Stimmungslage. Vielleicht ein gutes Zeichen für die Zukunft!? Vergessen
wir nicht, dass die Börse Entwicklungen vorweg nimmt, und die aktuelle Entwicklung in der
Realwirtschaft ist keine Überraschung, haben dies die zusammenbrechenden Aktienkurse deutlich
angezeigt. Meine persönliche Meinung ist die, dass sich mehr und mehr entscheidet, inwieweit
ein Ende der Abwärtsbewegung am Horizont erkennbar ist oder ob es zunächst kein Ende des
weltweiten Abschwungs geben wird. Je länger sich die Börse auf diesem Niveau behauptet (oder
gar etwas ansteigt), umso wahrscheinlicher ist es auch, dass die Börse bereits ein Ende des Abschwungs
voraussieht, der dann mit einigen Monaten Verspätung auch die Realwirtschaft erreicht. Wenn erkennbar
werden sollte, dass der Abschwung zu Ende geht und die meisten jetzt noch agierenden Unternehmen
diese Wirtschaftskrise überleben werden, treffen einige positive Faktoren zusammen. Billiges Geld ist
reichhaltig vorhanden und wartet nur darauf, im Aktienmarkt angelegt zu werden.
Aktienkurse notieren auf einem historisch extrem niedrigen Niveau und sollten daher bei Stabilisierung
der wirtschaftlichen Lage eher profitieren. Wenn dann auch noch die Stimmungslage umschlägt und
die Anleger mehrheitlich Schritt für Schritt der Meinung sind, dass Aktienkurse ansteigen könnten,
könnten die Aktienkurse vermutlich wieder schneller ansteigen als derzeit gedacht. Denn es fehlt vor allem
derzeit an Vertrauen und wenn das zurückkehrt, ist das ein sehr gutes Zeichen für die Börse. Das Risiko
ist derzeit darin zu suchen, dass diese Wirtschaftskrise schlimmer ist als viele Wirtschaftskrisen der jüngsten
Vergangenheit und länger dauert, als bislang angenommen. Dann könnten Aktienkurse möglicherweise
noch deutlich weiter fallen als bisher.


(08. Januar 2009 - DAX bei rund 4.860 Punkten - Dow Jones bei rund 8.700 Punkten):
Ein gutes neues Jahr. Hoffentlich! Seit der letzten Einschätung vom 22. November 2008 haben sich
die Börsen in den USA und in Europa ein wenig erholt. Man mag es eine technische Reaktion nennen
oder vielleicht auch eine Korrektur der (kurzfristig!?) zu schnell und zu weit gefallenen Börsen. Zu beobachten
war insbesondere auch um die Jahreswende herum, dass sich nicht nur die Aktienkurse der größeren
Unternehmen etwas erholt haben, sondern auch viele kleinere und mittelgroße Unternehmen machten
mit teils deutlichen Kurssprüngen auf sich aufmerksam. Da sich die Aufwärtsbewegung gerade bei
kleinen Unternehmen quer durch alle Branchen durchgezogen hat und auf wenige Tage zumeist noch vor dem
Jahreswechsel beschränkt war, könnte dies eventuell auch mit der in diesem Jahr neu eingeführten Abgeltungssteuer
zusammen hängen. Möglicherweise haben Privatanleger und/oder institutionelle Anleger die Gunst der Stunde
genutzt und in Aktien investiert. Und damit letztmalig ohne einen Steuerabzug bei eventuell in Zukunft
anfallenden Kursgewinnen (Haltefrist von mindestens 1 Jahr vorausgesetzt). Aktuell ist zu beobachten,
dass sich diese Aufwärtsbewegungen vor allem der kleineren und mittleren Unternehmen teilweise schon
wieder nach unten korrigiert haben.
Wagen wir erneut einen vermutlich unscharfen Blick in die Zukunft:
Derzeit werden 2 Möglichkeiten diskutiert. In der ersten Variante wird erwartet, dass sich die Aktienkurse
langsam stabilisieren und mittel- bis langfristig moderat ansteigen könnten. Wenn dies auch noch mit
einem Ende der Finanzkrise einhergehen würde und sich die Realwirtschaft langsam erholt, sollte das
Schlimmste überstanden sein. Dafür sprechen die weiter nachhaltig positiven Aktionen der
Staatengemeinschaften über Konjunkturprogramme und die massiven Hilfen der Notenbanken weltweit.
Nachdem bereits die amerikanischen Notenbank Fed ihren Leitzins erneut drastisch gesenkt hat,
gab es heute eine weitere Leitzinssenkung um 0,5 % in Großbritannien auf 1,5 %. Auch die eurpopäische
Notenbank EZB hat bereits weitere Leitzinssenkungen in Aussicht gestellt. Je länger dieser Prozess
des billigen Geldes weltweit bereits andauert, umso eher beginnen die ersten Aktionen zu greifen.
Dagegen sprechen die nach wie vor üblen Daten aus der Realwirtschaft. Die Datenlagen zum
Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr und in den Folgejahren korrigieren sich fast täglich weiter
nach unten. Der Abwärtstrend (auch bei den Aufträgen der Industrie) ist nicht nur nicht gestoppt,
sondern beschleunigt sich noch weiter nach unten. Sollte es nicht gelingen, die Realwirtschaft im Lauf
der nächsten vielleicht 6 bis 18 Monate einigermassen zu stabilisieren, droht weiteres Ungemach an
den Börsen. Und damit sind wir auch schon bei Variante Nummer 2, die derzeit von einigen Börsenkennern
diskutiert wird, nämlich eine erneute Verkaufswelle an den Börsen, die circa Mitte des Jahres (oder früher) einsetzen
könnte, und damit dann ein Szenario in der Realwirtschaft vorweg nehmen könnte, dass seines gleichen
sucht. In diesem Fall sind wohl drastisch tiefere Aktienkurse keine Utopie mehr. Aber versuchen wir
einmal, den Zeithorizont weiter aufzuziehen und uns vorzustellen, wie die Börsensituation in vielleicht
3 oder 5 Jahren aussehen könnte? Nach wie vor denke ich (meine subjektive Meinung), dass die
Massnahmen des billigen Geldes nicht sinnlos verpuffen werden und sich daraus ein neuer Aufschwung
der Börsen und der Wirtschaft in Gang setzen könnte. Die überlebenden Unternehmen werden irgendwann
vermutlich wieder an ihre Gewinnsituation in 2007 und 2008 anknüpfen können und damit letztlich
eine Höherbewertung erfahren. Die derzeitige Situation an den Zinsmärkten erlaubt es den Staaten vielfach,
sich quasi zum Nulltarif zu verschulden und damit die Wirtschaft über Infrastrukturmassnahmen und andere
Massnahmen wieder in Gang zu bringen. Die Verschuldung kann dann bequem über die vermutlich in
weiterer Zukunft wieder in Gang kommende Inflation abgebaut werden. Ob es auf diesem Weg noch einmal
zu einem erneuten Rücksetzer der Börsen kommt oder nicht, ist auf längere Sicht vermutlich sekundär.
Denn nach wie vor gilt aktuell: Aktien sind billig.
Und falls es zu einem absoluten Kollaps des Finanz- und Wirtschaftssystems kommen sollte,
an dem eigentlich kaum jemand Interesse haben sollte, was wären dann vor diesem Hintergrund noch die
Währungen der Welt wert??? Dann wären vermutlich sowohl Aktien als auch Währungen kein Hort der
"Sicherheit" mehr. Auf ein hoffentlich gutes Börsenjahr 2009!


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