Einschätzungen zum Börsenjahr 2008

 


(22. November 2008 - DAX bei gut 4.100 Punkten - Dow Jones bei etwas über 8.000 Punkten): Der neue
Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika heisst Barack Obama. Seine Amtseinführung ist aller
Voraussicht nach der 20. Januar 2009. Volle Entscheidungsgewalt erlangt Obama und seine
Regierungsmannschaft also erst Ende Januar. Bis dahin eher eine Phase der poltischen Entscheidungslosigkeit.
Und das in einer Zeit, in der schnelle und zeilgerichtete Entscheidungen notwendig wären. Aber weg von der
Politik. Einige Überlegungen vom 18. Oktober 2008 sind inzwischen eingetroffen oder haben sich im Trend
weiter fortgesetzt. Viele Unternehmen haben mit Ihrem Zahlenwerk negativ überrascht und senken den
Ausblick auf den erwarteten Gewinn für 2008 und darüber hinaus, insofern die Unternehmen überhaupt
eine Gewinnprognose abgeben wollen. Aus der Automobilindustrie ist zu vernehmen, dass die Zeit der
Unsicherheit und Krise nicht nur nicht vorbei ist, sondern sich zudem noch verschärft. Gleiches gilt
für einige Banken und Versicherungen, deren Aktienkurse scheinbar ins Bodenlose fallen. Einige Banken
in Deutschland (auch Privatbanken) haben bereits den "finanziellen Schutzschirm" der Regierung
angenommen. Die Börse ist weiter gefallen. Die Rohstoffpreise (zum Beispiel Öl- und Gaspreise) haben
sich weiter reduziert und inzwischen sagen auch viele Wirtschaftsinstitutionen eine Rezession
beziehungsweise eine schwere Rezession voraus. Selbst der Aufschwung in den Schwellenländern wird
hinterfragt. Einige erwarten darüber hinaus gehend sogar weitere Staatspleiten, auch in bedeutenderen
und größeren Ländern. Die Arbeitslosigkeit steigt in den USA bereits deutlich an. Eigentlich eher ein
nachlaufender Indikator. Dass nun aber bereits die Arbeitslosigkeit so schnell und so deutlich steigt,
zeigt die Schwere der aktuellen Rezession. Kurz: Die schlimmsten Erwartungen werden inzwischen
durchgespielt und manifestieren sich so langsam auch unter den Börsianern und Anlegern. Wohin die Reise
an den Börsen geht, ich vermag es nicht zu sagen. 1929 bis in die frühen 30-er Jahre fielen die Aktienkurse
sogar noch deutlich mehr als bisher in dieser Rezession. Es gäbe aus diesem Vergleich also durchaus
noch weiteres Abwärtspotential. Aber es gibt auch positive Faktoren. Wir alle profitieren von fallenden
Rohstoffpreisen. Was bereits jetzt an den Tankstellen durch deutlich gesunkene Spritkosten erkennbar ist,
wird sich vermutlich bald auch auf andere Produkte übertragen. Denn auf Erdöl basierende Rohstoffe
stecken in vielen Produkten des täglichen Bedarfs, seien es nun Kunststoffprodukte, Waschmittel,
Körperpflegeprodukten etc. Andere Produkte sind stark abhängig von Energiekosten allgemein, so wie
beispielsweise die Herstellung von Stahlprodukten. Stahlprodukte, die unter anderem für den Baubereich
und den Automobilbereich wichtig sind. Der Konsument dürfte in nächster Zeit eine zunehmende
Entlastung durch die Verminderung der Inflation wahrnehmen. Auch viele Unternehmen werden durch
fallende Rohstoffpreise und fallende Energiepreise zunehmend auf der Kostenseite entlastet.
In den Köpfen der Börsianer sind mittlerweile schon die schlimmsten Erwartungen angekommen
und die Bewertungen der Aktien spiegeln fast schon eine Existenzangst um Unternehmen wieder.
Wenn die schlimmsten Szenarien eintreten sollten und große, mittelgroße und kleine Unternehmen
quer durch die Bank in die Insolvenz gehen würden, dann würde das bedeuten,
dass sich der Anleger vermutlich noch weiter Fern vom Aktienmarkt halten sollte. Aber wenn diese
Szenarien nicht eintreten und die Unternehmen in 3, 5 oder 10 Jahren wieder zu alten Gewinnen und
alter Ertragsstärke zurück kehren und die Krisenzeit überleben, dann könnte es richtig sein,
jetzt selektiv in den Aktienmarkt einzusteigen!? Ich gehe davon aus, dass die Welt nicht in die Zeit
der Dinosaurier zurückversetzt wird. Die Zivilisation benötigt täglich zahlreiche Produkte und es muss
auch weiter Firmen geben, die diese Produkte rationell und kostengünstig herstellen. Vermutlich
erleben wir derzeit einen beschleunigten Ausleseprozess in zahlreichen Branchen, bei dem einige
Unternehmen auf der Strecke bleiben dürften. Aber die überlebenden Unternehmen teilen sich den
dann verbleibenden Markt später unter sich auf.
Vielleicht ist es sinnvoll, im Fall eines selektiven Einstiegs in den Aktienmarkt darauf zu achten,
dass die Bilanz der Unternehmen gesund ist und die Produkte eine starke Marktstellung besitzen.
Denken Sie auch daran, dass die Börse Entwicklungen in der Realwirtschaft viel früher sieht und
oftmals Monate vor einer Wende zum Besseren bereits mit steigenden Kursen reagiert.


(18. Oktober 2008): Seit mehr als 1 Jahr befinden sich die meisten Börsen dieser Welt im Rückwärtsgang.
Was zunächst im leichten Rückgang bei einzelnen Aktien begonnen hat, gipfelte in den letzten Wochen in
einem massiven Crash an den Börsen, begleitet von großer Aufmerksamkeit durch die Medien. Trotz
Finanzkrise und trotz inflationären Tendenzen der Vergangenheit erscheinen nun die meisten Aktien unter
Chance/Risiko - Gesichtspunkten wieder günstiger. Klar ist, dass es in den nächsten Monaten zu Gewinnwarnungen
in vielen Unternehmen kommen sollte, die eventuell noch einmal für weitere Verluste an den Börsen Sorgen
könnten. Doch die Regierungen und Notenbanken dieser Welt steuern aktiv und massiv gegen diese Krise.
Erneut wird weltweit viel Geld gedruckt, dass sich zwangsläufig irgendwann den Weg in verschiedene Assetklassen
wie Aktien, Immobilien oder in die Realwirtschaft bahnen sollte. Bemerkenswert ist auch, dass sich die Rohstoffpreise
einschliesslich dem für die Wirtschaft sehr wichtigem Ölpreis in den vergangenen Monaten deutlich zurück
gebildet haben. Die inflationären Tendenzen von der Rohstoffseite her sollten also mittelfristig tendenziell
zurück gehen. Auch der Arbeitsmarkt sollte in naher Zukunft deutlicher von der lahmenden Konjunktur betroffen
sein, so dass Lohnsteigerungen nicht mehr in dem erwartetem Ausmass durchgesetzt werden können,
was seinerseits mittelfristig wiederum inflationsdämpfend wirken sollte. Eine sich abschwächende Inflation
bei gleichzeitig massiver Liquiditätzufuhr von Seiten der Notenbanken und insgesamt sehr attraktiven
Aktienkursbewertungen eröffnet mittelfristig gute Chancen für eine Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten,
auch wenn die folgenden Monate eventuell noch sehr schwer werden könnten. Der langfristig ausgerichtete
Investor findet im aktuellen Marktumfeld attraktive Top-Unternehmen zu günstigen "Preisen". Langfristig dürften
sich die massiven Geldspritzen der Notenbanken allerdings in einer höheren Inflation niederschlagen. Auf der
Risikoseite muss erwähnt werden, dass vor allem der amerikanische Konsument sher hoch verschuldet ist und
keine weiteren Schulden mehr aufnehmen kann. Der amerikanische Verbraucher war in der Vergangenheit die Stütze
mindestens der amerikanischen Wirtschaft. Die fallenden Immobilienpreise, ausgelöst vor allem durch höhere
Zinsen in der Vergangenheit, liessen das Kartenhaus immer höherer Immobilienpreise, immer weiterer
Umschuldungen hin zu niedrigeren Zinsen und demnach weiterer potentieller Umleitungen der Überschüsse
aus diesen Transaktionen in den Konsum, platzen. Hin und wieder hört der Anleger Vergleiche zum Börsencrash
von 1929. Wäre dem so, kann der Aktienmarkt noch deutlich tiefer fallen und die Phase der Kursrückgänge
an den Aktienmärkten noch sehr viel länger dauern. In Summe gibt es derzeit niedrige Bewertungen der Unternehmen
am Aktienmarkt zu beobachten. Bricht die Wirtschaft nicht völlig zusammen, könnten dies Kaufgelegenheiten sein!?
Sollte es jedoch nicht gelingen, die Finanzkrise zu lösen und eine globale und lang anhaltende Wirtschaftskrise zu
verhindern, so sollte sich der Anleger für eine längere Zeit vom Aktienmarkt fern halten oder nur sehr selektiv
kaufen.


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